Forscher überrascht Detail
Koffein stört den Schlaf offenbar stärker als bisher angenommen
06.06.2026 – 07:26 UhrLesedauer: 3 Min.
Viele Menschen trinken spät noch etwas Koffeinhaltiges und schlafen trotzdem problemlos ein. Neue Forschung legt nun nahe: Selbst, wenn wir ausreichend schlafen, könnte unser Gehirn weniger gut zur Ruhe kommen.
Kaffee, schwarzer Tee oder Energy-Drinks gehören für viele Menschen zum Alltag. Das enthaltene Koffein steigert die Konzentration und hilft gegen Müdigkeit. Doch der Preis dafür könnte höher sein als bislang gedacht. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Übersichtsarbeit von Forschern der Universität Stettin in Polen.
Die Wissenschaftler werteten 32 Studien aus, die zwischen 1980 und 2026 erschienen sind. Dabei interessierten sie sich nicht nur dafür, wie lange Menschen schlafen oder wie häufig sie nachts aufwachen. Denn Studien, die dies untersuchten, zeigten oft einen nicht so starken Effekt von Koffein auf den individuell wahrgenommenen Schlaf. Stattdessen untersuchten sie die elektrische Aktivität des Gehirns während des Schlafs mittels Elektroenzephalogramm (EEG). Die Ergebnisse veröffentlichte das Forschungsteam im Fachjournal „Nutrients“.
Das Gehirn bleibt nachts aktiver
Die Analyse der Daten zeigt ein klares Muster: Koffein verändert die Hirnaktivität während des Schlafs. Besonders betroffen sind die langsamen Hirnwellen im Tiefschlaf. Die Forscher fanden in vielen Studien weniger sogenannte Delta-Wellen. Dabei handelt es sich um langsame elektrische Signale, die typisch für tiefen und erholsamen Schlaf sind. Gleichzeitig nahm die Aktivität schneller Hirnwellen zu. Diese treten normalerweise eher im Wachzustand auf. Dadurch entsteht laut den Autoren ein Schlafprofil, das zwar äußerlich normal wirkt, bei dem das Gehirn jedoch in einem aktiveren Zustand bleibt.
Der Tiefschlaf gilt als die wichtigste Erholungsphase der Nacht. In dieser Zeit entspannt sich die Muskulatur, der Herzschlag verlangsamt sich und Körper sowie Gehirn regenerieren sich. Gleichzeitig verarbeitet das Gehirn Informationen des Tages und festigt Erinnerungen.
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Warum Koffein diesen Effekt hat
Die Ursache liegt wahrscheinlich in einem körpereigenen Botenstoff namens Adenosin. Dieser Stoff sammelt sich im Laufe des Tages im Gehirn an und sorgt dafür, dass wir zunehmend müde werden. Experten sprechen dabei vom sogenannten Schlafdruck. Koffein blockiert die Andockstellen für Adenosin im Gehirn. Die Müdigkeit wird dadurch vorübergehend unterdrückt. Wir fühlen uns wacher und leistungsfähiger.
Die neue Analyse deutet darauf hin, dass dieser Effekt nicht mit dem Einschlafen endet. Vielmehr scheint Koffein die natürliche Erholung des Gehirns auch während der Nacht zu beeinflussen. Nach Ansicht der Forscher schwächt es die Prozesse ab, die normalerweise den Schlaf vertiefen und die Regeneration fördern.
Besonders deutlich zeigte sich dies laut Analyse im ersten Drittel der Nacht. Gerade dann fällt normalerweise der meiste Tiefschlaf an. Auch nach Schlafmangel, wenn der Körper eigentlich besonders intensiv regenerieren sollte, verringerte Koffein die typischen Erholungssignale im Gehirn.
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