Oktoberfest und Atemwegsinfekte
Diese Viren machen Wiesn-Besucher krank
08.09.2026 – 05:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Wer nach der Wiesn hustet, hat meist keine echte Grippe. Hinter der „Wiesn-Grippe“ stecken häufig andere Atemwegsviren.
Wer auf der Wiesn hustet, hat meist keinen Influenza-Erreger erwischt – sondern einen von vielen, gegen die keine Impfung hilft.
Die sogenannte Wiesn-Grippe ist in den meisten Fällen keine Grippe. Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am Klinikum Rechts der Isar der Technischen Universität München, bezeichnet sie als Sammelbegriff für akute Atemwegsinfekte – begünstigt durch Enge, Schlafmangel, Kälte und Alkohol. Auf dem Oktoberfest zirkulieren viele Erreger, gegen die es keinen Impfschutz gibt: Rhino-, Adeno- und Enteroviren sowie saisonale Coronaviren.
Covid macht weiterhin den größten Anteil aus
Bei schwereren Atemwegsinfekten während des Volksfests macht SARS-CoV-2 laut Spinner in der Regel den größten Anteil aus. Anders als Influenza sei das Covid-19-Virus nicht saisonal gebunden, sondern zirkuliere ganzjährig. „Da in Festzelten sehr viele Menschen auf engstem Raum zusammenkommen, ist das Infektionsrisiko für Covid-19 auf der Wiesn hoch“, sagt Spinner.
Influenza und das Respiratorische Synzytialvirus (RSV) seien dagegen für einen sehr geringen Anteil der Wiesn-Erkrankungen verantwortlich, so Spinner. Beide nähmen typischerweise erst ab Ende November zu. Vereinzelte Grippefälle könnten auf dem Oktoberfest aber auch früher auftreten – begünstigt durch das internationale Publikum und die Enge in den Zelten.
Menschen mit Vorerkrankung sollten sich impfen lassen
Eine Impfung gegen Covid-19 oder Influenza verhindert keine Erkältung, kann aber das Risiko eines schweren Verlaufs senken. Für bestimmte Gruppen empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) laut Spinner eine Covid-19-Impfung: Menschen ab 75 Jahren, Personen mit Risikofaktoren sowie Pflegepersonal. Die RSV-Impfempfehlung der STIKO gilt demnach für Erwachsene ab 75 Jahren sowie für Menschen mit schweren Grunderkrankungen ab 60 Jahren.
Für Menschen mit Vorerkrankungen – etwa Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Krebserkrankungen – sei der Herbstbeginn der richtige Zeitpunkt für eine Influenza-Impfung, erklärt Spinner: „Generell ist der Beginn des Herbsts der ideale Zeitpunkt, um sich für die bevorstehende Grippesaison ab Oktober impfen zu lassen – vor allem für Menschen mit Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-, Lungen- oder Krebs-Erkrankungen.“
Atemwegsinfektion erhöhen Risiko für Herzinfakt und Schlaganfall
Nicht einmal jeder Dritte, dem eine Influenza-Impfung empfohlen wird, sei tatsächlich geimpft, sagt Spinner. Bei RSV liege die Quote bei etwa 20 Prozent der empfohlenen Zielgruppe. Unabhängige Belege für diese Zahlen nennt Spinner nicht.
Atemwegsinfektionen können nach Spinners Einschätzung zudem das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen: Sie aktivieren das Immunsystem und können zur Ausschüttung von Entzündungsstoffen führen, die Blutgefäße verengen.
LMU Klinikum, TUM Klinikum und das Münchner Gesundheitsreferat haben für September die Kampagne „München impft“ angekündigt, die das Bewusstsein für Atemwegsinfektionen und Impfmöglichkeiten stärken soll.
