Mögliche Ursachen des Syndroms
Verschiedene Virusinfektionen gelten als mögliche Auslöser für ein Chronisches Erschöpfungssyndrom. Diskutiert werden auch Immundefekte und hormonelle Störungen als Ursachen. Lange wurden auch psychische Belastungen oder Stress als Auslöser betrachtet, allerdings widerlegen aktuelle Studien die Ansicht, dass es sich um eine psychische Erkrankung handelt.
Neuere Forschungen etwa der Berliner Charité legen nahe, dass es sich bei dem Syndrom zumindest bei einem Teil der Betroffenen um eine Autoimmunerkrankung handelt. „Häufig erkranken junge, zuvor gesunde Menschen etwa nach einer Grippe oder einer Darminfektion“, weiß die Medizinerin Scheibenbogen. Bei Jugendlichen trete das Chronische Erschöpfungssyndrom sehr oft nach Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus auf, das Pfeiffersches Drüsenfieber auslöst.
Gut zu wissen
Das Chronische Fatigue Syndrom darf nicht verwechselt werden mit der Fatigue, die häufig bei Krebs oder anderen schweren, chronischen Erkrankungen auftritt und als Fatigue-Syndrom bezeichnet wird. Diese ruft zwar ähnliche Beschwerden hervor, hat jedoch eine andere Ursache.
Post Covid: Fatigue als Folgeerkrankung
Auch nach einer überstandenen Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 berichten Menschen häufig von Symptomen wie ständiger Müdigkeit und Schwächegefühl. Mediziner sprechen bei diesen Auffälligkeiten vom Long-Covid- oder Post-Covid-Syndrom, weil es anhaltende Beschwerden sind.
Auch kognitive Defizite wie Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen treten nach einer Infektion häufiger auf. Wie Forschende der Charité und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel, in einer aktuellen Studie zeigen, sind überwiegend junge Frauen von einem Erschöpfungssyndrom betroffen.
Geistige Beeinträchtigungen wurden eher bei Männern ab 55 Jahren beobachtet, wie die Forschenden im Fachmagazin „eClinicalMedicine“ berichten. Die Erkenntnisse basieren auf umfangreiche Daten der COVIDOM-Studie, einer Erhebung im Rahmen des Nationalen Pandemie Kohorten Netzwerks (NAPKON).
Chronisches Fatigue Syndrom: Behandlung
Das Chronic Fatigue Syndrom ist aktuell nicht therapierbar. Medikamente, die an der Ursache angreifen, gibt es noch nicht. „Wir raten Patienten erst einmal, belastende Situationen und damit solche Schübe zu vermeiden“, sagt Expertin Scheibenbogen. Ist ein CFS diagnostiziert, wird der Patient in der Regel von seinem Hausarzt weiterbehandelt, der gegen bestimmte Symptome Medikamente verschreiben kann.
Schmerzmittel können die Beschwerden im Bereich der Gelenke oder Kopfschmerzen lindern. Entspannungsverfahren und Beruhigungsmittel können bei Schlafstörungen helfen, in einer Verhaltenstherapie können Patienten neue hilfreiche Verhaltensweisen erlernen.
Auch Reizdarm und Konzentrationsstörungen kann man behandeln. „Es gibt auch eine gewisse Chance, dass die Erkrankung über die Jahre besser wird und bei wenigen sogar ausheilt“, so Carmen Scheibenbogen.
Selbsthilfe für CFS-Patienten
Betroffene werden meist dazu angehalten, sich ihre Kraft im Alltag gut einzuteilen und Ruhepausen einzulegen. Häufig müssen Patienten außerdem ihre Aktivitäten an die Erkrankung anpassen. Es empfiehlt sich ein geregelter Tagesablauf mit festen Mahlzeiten und angemessenen Phasen für Aktivität und Erholung.
