Hitze kostet Milliarden
Warum der Sommer nicht nur gute Laune macht
25.07.2026 – 10:24 UhrLesedauer: 4 Min.

Die nächste Hitzewelle kommt – und mit ihr eine hohe Rechnung. Welche Folgen extreme Temperaturen für Arbeitsplätze, Infrastruktur und Wirtschaft haben, zeigt eine aktuelle Analyse.
Wenn die Temperaturen in Deutschland auf über 30 Grad steigen – regional sogar mitunter auf über 40 Grad –, dann ist das längst mehr als ein außergewöhnliches Wetterereignis. Extreme Hitze belastet die Gesundheit, setzt die Infrastruktur unter Druck und verursacht hohe wirtschaftliche Schäden.
Das wirtschaftlich und politisch unabhängige Forschungs- und Beratungsunternehmen Prognos kommt zu dem Ergebnis, dass Klimarisiken keine Zukunftsfrage mehr sind, sondern bereits heute in den Bilanzen ankommen. Nach vorläufigen Berechnungen verursachte die Hitzewelle im Juni 2026 Schäden in Höhe von rund 6,3 Milliarden Euro.
Die nächste Hitzewelle steht bevor, und mit ihr steigen auch die Kosten. Gleichzeitig gibt es Maßnahmen, mit denen Bund, Länder, Kommunen sowie Arbeitgeber und Beschäftigte die Folgen abmildern können.
Hitze in Zahlen: Was ein einziger Hitzetag kostet
Steigen die Temperaturen über mehrere Tage hinweg stark an, kühlt es sich in den Nächten oft kaum noch ab. Das belastet den Körper und bringt Krankenhäuser an ihre Grenzen. Gleichzeitig werden Schwachstellen der Infrastruktur sichtbar.
Prognos untersucht seit Jahren im Auftrag von Bundesministerien, Verbänden und Unternehmen, welche wirtschaftlichen Folgen Hitze, Dürre und andere Extremwetterereignisse in Deutschland haben.
Die wichtigsten Ergebnisse:
- Mindestens 430 Millionen Euro kostet ein einzelner Tag mit mindestens 30 Grad die deutsche Wirtschaft – unter anderem durch geringere Produktivität, Krankheiten, Unfälle und stillstehende Maschinen.
- An einem Hitzetag entstehen rund 76.500 Fehltage durch hitzebedingte Erkrankungen und Unfälle.
- Die extremen Hitze- und Dürrejahre 2018 und 2019 verursachten laut Prognos Schäden in Höhe von rund 35 Milliarden Euro. Ein großer Teil entfiel auf die Land- und Forstwirtschaft, Gewerbe und Industrie waren mit rund 9,2 Milliarden Euro betroffen.
- Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts gab es bis Kalenderwoche 26 im Sommer 2026 bereits mehr als 5.100 hitzebedingte Todesfälle, davon über 4.000 bei Menschen ab 75 Jahren.
Wie Hitze Wirtschaft und Infrastruktur belastet
Die Hitzewelle im Juni 2026 mit Temperaturrekorden für Deutschland hat gezeigt, wie schnell extreme Hitze zur gesamtgesellschaftlichen Belastung wird. Besonders gefährdet sind ältere Menschen oder jene mit Vorerkrankungen, Kinder sowie Personen, die in schlecht gekühlten Wohnungen leben. Doch die Folgen reichen weit über die Gesundheit hinaus.
Hitze macht auch die Schwächen der Infrastruktur sichtbar: Asphalt auf Autobahnen platzt auf, Fugenmasse schmilzt und legt Straßenbahnen lahm. Niedrige Wasserstände beeinträchtigen die Schifffahrt, Felder trocknen aus, und überhitzte Gebäude erhöhen den Energiebedarf für Kühlung.
Nach Einschätzung von Prognos ist Hitze zudem eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Wer im Grünen wohnt, flexibel arbeiten kann oder Zugang zu Kühlung hat, ist besser geschützt als Menschen in dicht bebauten Stadtvierteln, körperlich belastenden Berufen oder unsanierten Wohnungen.
Unterschätzte Kosten: Warum Hitze die Produktivität senkt
Die internationale wissenschaftliche Initiative World Weather Attribution (WWA) kommt zu dem Ergebnis, dass Hitzewellen wie im Juni 2026 ohne den Klimawandel noch vor 50 Jahren nicht möglich gewesen wären. Städte, Infrastruktur sowie viele Unternehmen und Arbeitsplätze seien für solche Extremereignisse nicht ausgelegt.