Viele Münchner können nur noch zuschauen
Die Wiesn kostet keinen Eintritt. Teuer wird sie trotzdem ziemlich schnell. Und langsam stellt sich die Frage: Für wen wird dieses Fest eigentlich inzwischen veranstaltet?
Für Touristen ist eine teure Wiesn eben Teil des viel beworbenen München-Erlebnisses. Einmal im Jahr in Bayerns Landeshauptstadt reisen, 15 Euro pro Maß zahlen, 30 Euro pro Tellergericht, 10 Euro pro Fahrt im Karussell. Was soll’s? Urlaub ist eben teuer.
Auch für die Münchner Schickeria spielen die Wiesn-Preise wohl kaum eine Rolle. Champagner für vierstellige Summen im Käfer schlürfen? Aber natürlich. Ob da die Maß Bier oder der Kaiserschmarrn nun ein paar Euro mehr kosten oder nicht, ist auch schon wurscht.
Für viele Münchner Familien ist es das eben nicht. Ein paar Fahrgeschäfte, Pommes, etwas zu trinken, eine Zuckerwatte oder ein Lebkuchenherz. Schon sind 50 bis 60 Euro pro Kind ausgegeben. Bei zwei oder drei Kindern summiert sich das schnell auf 120 bis 180 Euro. Fahren dann auch noch die Eltern selbst mit oder wollen gar etwas essen, wird ein „normaler“ Nachmittag geradezu unbezahlbar.
Die Wiesn ist ein Fest der Münchner. Seit fast 200 Jahren. Aber inzwischen können sich immer mehr Einheimische ihr eigenes Fest nicht mehr leisten. Das bestätigen auch die Zahlen: Rund 80 Prozent der rund 12.000 Menschen, die an einer aktuellen t-online-Umfrage teilgenommen haben, sagen: Wir gehen nicht auf die Wiesn, weil sie für uns zu teuer geworden ist. Verständlich, wenn eine Flasche Wasser im Kufflers Weinzelt in diesem Jahr mit 15,33 Euro sogar mehr kostet als manche Maß Bier.
Natürlich ist nicht jeder Preis auf der Wiesn aus der Luft gegriffen. Natürlich sind auch für die Wirte und Schausteller die Lebensmittel- und Materialkosten gestiegen. Aber das rechtfertigt nicht, dass ein Volksfest nur noch für Touristen und die oberen Einkommensschichten Spaß macht. Mehr Familientage, mehr Ermäßigungen und Angebote vor allem für Münchner sind deshalb längst überfällig. Die Oide Wiesn zeigt schließlich, dass es auch anders geht: Die historischen Fahrgeschäfte kosten dort nur 1,50 Euro. Dafür fallen hier für den Eintritt auf das Gelände vier Euro an.
Die Wiesn darf teuer sein. Sie darf nur nicht so teuer sein, dass die Münchner selbst nur noch zuschauen können.
