„Mir reicht es langsam“
Wegen Chat mit Remmo-Sohn: Kritik an Neuköllner Politiker
22.09.2026 – 09:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Chat mit einem Sohn eines berüchtigten Clan-Chefs bringt einen Bundestagsabgeordneten der Linken in Bedrängnis. Was er dazu sagt.
„Grüße mit Respekt zurück an deinen Vater“: So beginnt eine Nachricht des Linken-Politikers und Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak an Firas Remmo. Er ist ein Sohn von Issa Remmo, Chef eines libanesischen Clans in Berlin. Den Nachrichtenverlauf postete der Remmo-Sohn selbst in seiner Instagram-Story am Montag.
In dem Chat machen der Politiker und Firas Remmo offenbar auch ein Treffen aus. Am 17. Februar schreibt Koçak dann: „Bruder hilf mir mal das hier zu verbreiten. Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte.“ Gemeint ist ein Video von seinem Instagram-Account, in dem er eine Rede im Bundestag hält.
Issa Remmo bei Wahlparty der Linken
Die Veröffentlichung des Chatverlaufes verursachte Aufsehen – besonders nach dem Wahlsieg der Linken in Berlin. Denn Koçak ist tief verwurzelt in Neukölln. Bei der Bundestagswahl im Februar 2025 gewann er das Direktmandat im Wahlkreis 81 (Berlin-Neukölln) mit rund 30 Prozent der Erststimmen. Seitdem sitzt er im Bundestag.
Bereits am Sonntagabend sorgte ein Gast bei der Wahlparty der Neuköllner Linken für Kritik. Wie die „Morgenpost“ zuerst berichtete, war dort auch der Clan-Chef Issa Remmo anwesend und feierte den Sieg der Linken. Nachdem das bekannt wurde, distanzierten sich unter anderem die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp sowie die Vorsitzende der Neuköllner Linken. Remmo sei „uneingeladen“ erschienen und nach Entdeckung aus dem Saal gebeten worden.
Kritik daran gab es von mehreren Seiten – auch von den Grünen, die als mögliche Koalitionspartner für eine Regierung gelten. Sie forderten von den Linken eine Aufarbeitung des Vorfalls und eine klare Abgrenzung zu Organisierter Kriminalität.
Das sagt Koçak zu den Vorwürfen
Ferat Koçak selbst äußerte sich am Montagabend zu seiner Korrespondenz mit Firas Remmo. In einer Instagram-Story teilte er mit: „Die Berichte über Chatverläufe zwischen mir und Firas Remmo haben die Öffentlichkeit verunsichert“. Das sei zu Recht geschehen. „Kontakte von Mandatsträgern zu Personen, die der Organisierten Kriminalität zugerechnet werden, sind durch nichts zu rechtfertigen“, so Koçak weiter.
Firas Remmo habe sich wegen eines Aufrufs an politischen Aktionen bei ihm gemeldet. Er kommuniziere jede Woche mit hunderten Menschen auf seinen sozialen Kanälen und habe Firas Remmos Vater Issa „mit Höflichkeit zurückgegrüßt“. Koçak teilte weiter mit: „Zu dem Zeitpunkt hatte ich keine Kenntnis davon, um wen es sich handelt. Das wurde mir erst kurz danach bekannt.“ Doch er kündigte auch Konsequenzen an. Er werde sich zurückziehen und wolle sein Kommunikationsverhalten aufarbeiten. Die Chats bezeichnet er als „Fehler“.
Kritik an den Nachrichten und der Entschuldigung kommt nicht nur von anderen Parteien. Auch Petra Pau, ehemalige Linken-Bundestagsabgeordnete und Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, teilte auf X mit: „Mir reicht es langsam. Als MdB hast du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben.“
