Jugendproteste
Merz befürwortet hartes Vorgehen gegen Krawallmacher
Aktualisiert am 02.11.2026 – 14:10 UhrLesedauer: 4 Min.
Nach den Krawallen vom Wochenende ist eine Diskussion darüber entbrannt, welche politischen Schlüsse daraus zu ziehen sind. Der Bundesinnenminister steht wegen einer Äußerung in der Kritik.
Nach den Krawallen in mehreren deutschen Städten am Wochenende spricht sich Bundeskanzler Friedrich Merz für ein hartes Vorgehen gegen die Gewalttäter aus. Gleichzeitig zeigt er Verständnis für einige Anliegen der jungen Demonstranten.
„Gewalt hat auf unseren Straßen nichts zu suchen, und meine Regierung wird hier keine Toleranz zeigen“, heißt es im Redemanuskript des CDU-Vorsitzenden für die CDU-Kreisvorsitzendenkonferenz, das der Deutschen Presse-Agentur in Auszügen vorliegt. Darin betont der Kanzler: „Wer Polizisten und Einsatzkräfte angreift und Geschäfte plündert, greift unsere Freiheit an, verhöhnt die Gesellschaft und die berechtigten Interessen der jungen Leute.“ Die Straftäter würden die Härte des Gesetzes spüren.
Defizite bei bezahlbarem Wohnen
Merz dankte ausdrücklich der Polizei. Diese habe vorbildlich reagiert. Er wies auch darauf hin, dass der Großteil der jungen Leute friedlich demonstriert habe. Als positive Botschaft vom Wochenende nehme er mit: „Die junge Generation ist politisch und sie sorgt sich um ihre Zukunft.“ Merz räumte ein, dass es gerade beim Thema Wohnen Defizite gebe und die Haushalte entlastet werden müssten, damit die Länder mehr in Bildung investieren könnten. „All die Themen stehen ganz oben auf unserer Arbeitsliste.“ Die zuständige Bildungsministerin Karin Prien (CDU) werde das Gespräch mit der jungen Generation jetzt weiterführen und vertiefen.
Am Wochenende hatten Zehntausende junge Menschen zumeist friedlich demonstriert. Anschließend kam es aber zu teils schweren Krawallen. In Frankfurt flogen Steine und Brandflaschen, Randalierer zerstörten Schaufenster, es gab Plünderungen. Mehr als 100 Polizisten wurden verletzt. Auch in Köln, Hamburg und Berlin gab es nach überwiegend friedlichen Demonstrationen Tausender junger Menschen Ausschreitungen und Zusammenstöße mit der Polizei, dort aber nicht so heftig wie in der Bankenmetropole am Main.
Dobrindt eckt mit Formulierung an
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hatte nach den Ausschreitungen von „gewaltbereiten linken Gruppen und migrantischen Chaoten“ gesprochen. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) erklärte: „Diese Tätergruppe war überwiegend migrantisch geprägt.“
Darauf, dass die politische Debatte sich um unklare Begriffe dreht, machte Verteidigungsminister Boris Pistorius aufmerksam. „Was sind denn migrantische Gruppen? Sind das Menschen, die in dritter Generation in Deutschland leben und deutsche Staatsangehörige sind? Wo hören wir auf, das zu differenzieren?“, fragte der SPD-Politiker in der ZDF-Sendung „Berlin direkt“. „Ich glaube, das führt in die falsche Richtung.“
Dobrindt hatte wörtlich gesagt: „Es gab friedliche Demonstrationen, die dann Richtung Abend gekapert worden sind von gewaltbereiten linken Gruppen und migrantischen Chaoten.“
Prien springt Dobrindt bei
Nach Abschluss der „weitestgehend friedlichen Demonstrationen“ habe es Gewaltexzesse linksradikaler Gruppen gegeben, „aber eben auch von anderen, die wohl auch aus migrantischen Milieus stammen“, sagte Bundesbildungsministerin Prien im Deutschlandfunk. Die CDU-Politikerin fügte hinzu: „Hier geht es ja nicht darum, Ressentiments zu schüren, das wäre auch politisch falsch.“
