Könnte Hendrik Wüst anstelle von Friedrich Merz Kanzler werden? Medienberichte legen nahe: In der Union wird darüber nachgedacht. Tatsächlich aber spricht eigentlich alles gegen ein solches Manöver.

Es ist gerade wenig los in Berlin. Die Sonne brennt vom Himmel, es ist heiß – und der Politbetrieb befindet sich in der Pfingstpause. Zwei Wochen sitzungsfrei, die Abgeordneten des Bundestags sind erst wieder am 8. Juni zurück in der Hauptstadt.

All das zu wissen ist wichtig für das, was jetzt folgt. Denn wäre mehr los, gäbe es Wichtigeres, würde dieser Text wohl ebenso wenig entstehen wie jene Artikel bei anderen Medien, die mit krachenden Überschriften gerade um Aufmerksamkeit und Abonnenten werben: Vom „Kanzlertausch“ ist da zu lesen und vom „Einwechsel-Kanzler Hendrik Wüst“, vom CDU-internen „Getuschel“ und von einer „Kanzler-Reserve“ in Düsseldorf.

Ja, natürlich, manch einer auch in der eigenen Partei mag diesen Wunsch hegen. Friedrich, der Unbeliebte – mit ihm ließe sich, Stand jetzt, wohl kaum eine Wahl gewinnen, so viel ist sicher. Doch ungefähr da hören bei den allermeisten in der Union die Gedankenspielchen auch schon wieder auf. Der fromme Wunsch, dass NRW-Landesvater Hendrik Wüst für Merz eingewechselt werden könnte wie einst Georg Kiesinger für Ludwig Erhard, er wird wohl ein Wunsch bleiben. Und damit ein Sturm im Medien-Wasserglas rund um die schönen Pfingsttage.

Drei Gründe sprechen gegen den Kanzlertausch

Gründe dafür gibt es reichlich. Erster und triftigster Grund: Merz würde das keinesfalls wollen. Die CDU ist mit ihm als Kanzlerkandidat in den Wahlkampf gezogen, nicht mit Hendrik Wüst. Und wenn er nicht freiwillig abtritt, ist es kaum vorstellbar, dass ausgerechnet der Kanzlerwahlverein CDU auch nur in die Nähe eines Manövers kommt, zu dem sich vor der Bundestagswahl 2025 nicht einmal die weit rebellischere SPD hat durchringen können: ein Umsatteln von Olaf Scholz auf Boris Pistorius.

Grund zwei: Die SPD müsste bei einem solchen Tausch mitmachen, denn einen neuen Kanzler gibt es nur mit einem konstruktiven Misstrauensvotum inklusive anschließender Mehrheit für Wüst. Nur: Wieso sollten die Sozialdemokraten das tun? Gewählt, mit viel Ach und Krach, wir erinnern uns, ist eben Merz. Einem weit beliebteren Wüst ins Amt zu helfen, würde die Ausgangslage für die Sozialdemokraten bei künftigen Wahlen deutlich verschlechtern. Denn trotz mieser Umfragen haben die Sozialdemokraten und hat auch Lars Klingbeil seinen Anspruch aufs Kanzleramt nicht ganz aufgegeben.

Dritter Grund: Selbst wenn es gelänge, Merz mitmachte, die SPD mitmachte – was soll das im allerletzten Endeffekt bringen? Kleiner würden die Probleme und Herausforderungen dadurch nicht. Nur weil das Kanzler-Zugpferd fürs Erste beliebter, netter, vermutlich kommunikativ besser und empathischer würde, müssten sich CDU, CSU und SPD ja trotzdem noch bei den ganz großen Fragen einigen. Und da liegen die Schwierigkeiten weniger in den handelnden Personen als mehr in den inhaltlichen Fragen, bei denen Schwarze und Rote oft nicht übereinkommen.

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