Es ist der größte U-Boot-Auftrag in der Geschichte von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS): Kanada will bis zu zwölf der von Deutschland und Norwegen gemeinsam entwickelten U-Boote vom Typ 212CD kaufen. Die Entscheidung wurde kurz vor dem NATO-Gipfel nach einem monatelangen Kampf zwischen konkurrierenden Angeboten von TKMS und dem südkoreanischen Anbieter Hanwha Ocean getroffen. Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zu diesem Thema.
Welche Bedeutung hat dieser Großauftrag für Deutschland und die NATO?
Die Entscheidung wird als bedeutender Erfolg für die europäische Verteidigungsindustrie und für die Zusammenarbeit innerhalb der NATO gewertet. Deutschland und Norwegen haben gemeinsam das U-Boot Typ 212CD entwickelt; Zukünftig wird es auch von Kanada eingesetzt. Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach von einem wichtigen Schritt beim Ausbau der Flotte konventioneller U-Boote der Allianz. Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete das Memorandum of Understanding als „starkes Signal der transatlantischen und europäischen Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie“. Zuvor hatte Pistorius mehrfach in Kanada für die deutsche Bewerbung geworben.
Warum ist der Vertrag für TKMS so wichtig?
TKMS ist einer der weltweit führenden Hersteller von U-Booten ohne Atomantrieb. Die nun bestellten U-Boote sollen vollständig in Deutschland produziert werden – auf der Stammwerft des Unternehmens in Kiel und in Wismar im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Dadurch sollen bis zu 1.500 Arbeitsplätze entstehen. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen derzeit 9.100 Mitarbeiter.
Was ist das Besondere am U-Boot vom Typ 212CD?
Das 212CD wurde von Deutschland und Norwegen gemeinsam entwickelt und wird vom Unternehmen als Meilenstein der nichtnuklearen U-Boot-Technologie bezeichnet. Sein Antriebssystem kombiniert Dieselmotoren mit Wasserstofftechnologie und ermöglicht so lange Tauchgänge ohne Auftauchen. Laut TKMS sind die U-Boote speziell für den Einsatz unter Eis und in der Arktis konzipiert.
Wie viel Geld ist im Deal enthalten?
Über den genauen Auftragswert wurden keine Angaben gemacht. Die Deutsche Presse-Agentur schätzt, dass die U-Boote inklusive Service und Wartung rund 20 Milliarden Euro kosten werden. Der kanadische Premierminister Mark Carney bezeichnete den Auftrag als „die größte Verteidigungsbeschaffung in der kanadischen Geschichte“.
Was passiert jetzt?
Nachdem nun die Entscheidung gefallen ist, muss der Vertrag ausgehandelt werden. Unter Berufung auf Carney geht die dpa davon aus, dass diese Verhandlungen sechs bis 18 Monate dauern werden. TKMS hat angeboten, bereits bis 2034 die ersten vier U-Boote auszuliefern. Dies soll durch eine Umverteilung von Booten aus deutschen und norwegischen Bestellungen ermöglicht werden. Verteidigungsminister Pistorius sagte: „Jetzt geht es darum, die Verträge abzuschließen und die U-Boote so schnell wie möglich ins Wasser zu bringen.“
