Komplikationen bei Diabetes

Was Ärzte bei einem Großteil der Patienten übersehen


28.10.2026 – 13:34 UhrLesedauer: 2 Min.

Beschwerden in Händen, Schultern und Armen (Symbolbild): Sie können die übersehene Folge eines Diabetes sein.

Beschwerden in Händen, Schultern und Armen (Symbolbild): Sie können die übersehene Folge eines Diabetes sein. (Quelle: seb_ra/getty-images-bilder)

Diabetes kann auch Hände und Schultern belasten. Experten warnen: Diese Beschwerden erhalten zu wenig Aufmerksamkeit, obwohl sie individuelle und gesellschaftliche Folgen haben.

Schmerzen beim Anziehen, steife Finger oder nächtliches Kribbeln in der Hand: Hinter solchen Beschwerden können Erkrankungen stecken, die bei Menschen mit Diabetes häufiger auftreten. Doch obwohl sie den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen können, werden solche Komplikationen der oberen Gliedmaßen weder im Praxisalltag noch in den medizinischen Leitlinien ausreichend berücksichtigt. Darauf haben Experten auf dem Kongress der European Association for the Study of Diabetes (EASD) 2026 in Mailand kürzlich aufmerksam gemacht.

Was zählt zu Komplikationen der oberen Gliedmaßen?

Zu diesen Diabetesfolgen gehören unter anderem Schultersteife (Frozen Shoulder), schnellende Finger, Karpaltunnelsyndrom, Ulnarisneuropathie (Schädigung oder Reizung des Ellennervs, was zu Taubheit in den Händen führt), Osteoarthritis (schmerzhafter Gelenkverschleiß) und Dupuytren-Erkrankung (Veränderung des Bindegewebes an der Hand, wodurch Finger nicht gestreckt werden können). Auch steife Hand-, Finger- und Ellenbogengelenke können den Alltag erschweren. Viele dieser Folgen gehen mit Bewegungseinschränkungen und Schmerzen einher.

Zwei von drei Langzeitpatienten betroffen

Wie verbreitet das Problem ist, zeigen Daten einer Langzeitstudie von 2025, die die Biostatistikerin Barbara Braffett von der George Washington Universität in den USA auf dem Kongress vorstellte: Nach durchschnittlich 31 Jahren Diabetesdauer hatten 66 Prozent der untersuchten Patienten mindestens eine Erkrankung der oberen Gliedmaßen entwickelt. 31 Prozent hatten eine Schultersteife, 30 Prozent ein Karpaltunnelsyndrom und 28 Prozent einen schnellenden Finger.

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Wie genau Diabetes diese Erkrankungen begünstigt, verstehen Forscher bislang nicht vollständig. Als mögliche Ursachen diskutieren sie dauerhaft hohe Blutzuckerwerte, Veränderungen am Bindegewebe und anhaltende leichte Entzündungen. Häufiger treten die Beschwerden bei Menschen auf, die bereits Schäden an kleinen Blutgefäßen haben und in deren Folge an Nieren- und Augenerkrankungen sowie Nervenschäden leiden. Außerdem kommen Rauchen, Übergewicht und eine ungünstige Blutzuckereinstellung als Risikofaktoren infrage.

Diabetesfolgen führen zu Arbeitsausfällen

Laut „Medscape“ nannte die Biostatistikerin die oberen Extremitäten den „blinden Fleck der Diabetesversorgung“. Zudem verweist sie in ihrer Studie darauf, dass es neue Leitlinien brauche, die die Überwachung dieser Komplikationen in die routinemäßige Diabetesversorgung integrieren und klinische Studien priorisieren, um geeignete Behandlungsstrategien zu etablieren.

Kirsten Nørgaard vom Steno Diabetes Center Copenhagen in Dänemark, erläuterte laut „Medscape“ auf dem Kongress die weitreichenden Folgen. Die Beschwerden führten demnach zu mehr Fehlzeiten und machten Anpassungen am Arbeitsplatz nötig. Zudem beeinträchtigten sie das psychische Wohlbefinden und verstärkten die seelische Belastung durch Diabetes. Der Handchirurg und Chefarzt Mohssen Hakimi hatte die wirtschaftlichen Folgen der Daumensattelgelenkarthrose – einer der möglichen Komplikationen der oberen Gliedmaßen – allein für Deutschland auf Millionen Euro beziffert.

Gut zu wissen

In Deutschland leben rund elf Millionen Menschen mit Diabetes; 95 Prozent davon mit einem Typ-2-Diabetes. Experten vermuten zudem eine hohe Dunkelziffer, da mindestens weitere zwei Millionen Menschen noch nichts von ihrer Diabetes-Erkrankung wissen. Weltweit nimmt die Häufigkeit von Diabetes-Erkrankungen zu. Ursächlich ist unter anderem, dass immer mehr Menschen übergewichtig sind und sich zu wenig bewegen.

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