Bei Nacken-, Arm- und Schulterschmerzen

Wie sinnvoll ist ein ergonomischer Arbeitsplatz?


28.10.2026 – 12:34 UhrLesedauer: 3 Min.

Langes Sitzen führt häufig zu Verspannungen und Schmerzen in Schultern oder Nacken. (Quelle: MTStock Studio/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Forscher haben untersucht, ob sich Nacken-, Arm- und Schulterprobleme durch ergonomisches Mobiliar und andere Maßnahmen bessern. Mit ernüchterndem Fazit.

Spezielle Bürostühle, höhenverstellbare Schreibtische sowie ergonomische Tastaturen und Computermäuse sollen verhindern, dass Nacken, Schultern und Arme bei der Arbeit ungünstig belastet werden. Das soll nicht nur der Vorbeugung von Schmerzen dienen, sondern auch dazu beitragen, vorhandene Beschwerden zu lindern.

Aber funktioniert das auch? Eine Übersichtsarbeit über 20 Studien mit insgesamt 2.478 Teilnehmern kommt zu dem Schluss: Ergonomische Maßnahmen helfen wahrscheinlich kaum.

Was genau wurde untersucht?

Bei den Teilnehmern handelte es sich um Beschäftigte aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern: Arbeit im Büro beziehungsweise am Computer, aber auch in Fabriken, an Nähmaschinen oder in Schlachthöfen. Die meisten hatten Schmerzen ohne eindeutig feststellbare Erkrankung, zum Teil aber auch konkrete Diagnosen wie das Karpaltunnelsyndrom.

Im Rahmen der ausgewerteten Studien probierten die Teilnehmer unterschiedliche ergonomische Maßnahmen aus. Manche erhielten beispielsweise einen speziell angepassten Bürostuhl, eine ergonomische Tastatur oder eine veränderte Mausablage. Andere nahmen an Schulungen teil, in denen sie lernten, ihre Körperhaltung oder ihre Arbeitsweise zu verändern.

Am Ende wurden die Ergebnisse mit denen von Teilnehmern verglichen, deren Arbeitsplatz unverändert blieb, die die übliche Betreuung erhielten oder eine andere Behandlung bekamen, etwa gezielte körperliche Übungen.

Um die Wirkung zu beurteilen, erfassten die Wissenschaftler unter anderem, wie stark die Schmerzen waren und wie sehr die Beschwerden die Teilnehmer im Alltag einschränkten. Dafür nutzten sie beispielsweise Schmerzskalen und standardisierte Fragebögen. Außerdem untersuchten einige Studien, ob die Beschäftigten seltener krankgeschrieben waren, sich von ihren Beschwerden erholten oder weniger medizinische Hilfe benötigten.

Bei Schmerzen kaum hilfreich

Für die aktuelle Übersichtsstudie fassten Forscher die Ergebnisse der Untersuchungen statistisch zusammen. Dabei unterschieden sie zwischen kurzfristigen Auswirkungen, die bis zu drei Monate nach Abschluss der jeweiligen Maßnahme gemessen wurden, und längerfristigen Ergebnissen, die erst danach erfasst wurden. Der Fokus lag auf den kurzfristigen Auswirkungen, weil dazu mehr auswertbare Daten vorlagen.

Es zeigte sich: Ergonomische Maßnahmen bringen kurzfristig kaum etwas. In vier Studien mit insgesamt 692 Probanden waren die Schmerzen durch ergonomische Anpassungen zwar etwas geringer als in den Vergleichsgruppen. Der Unterschied war jedoch so klein und statistisch unsicher, dass sich daraus kein verlässlicher Nutzen ableiten lässt.

Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Frage, wie gut die Betroffenen trotz ihrer Beschwerden alltägliche Aufgaben bewältigen konnten. Hier fanden die Forscher bei 383 Teilnehmern keinen eindeutigen Vorteil. Ob sich die Beschäftigten mit ergonomischen Anpassungen schneller von ihren Beschwerden erholten, wurde nur in einer Studie mit 386 Teilnehmern untersucht. Auch dort ließ sich kein klarer Nutzen nachweisen.

Verringern die Maßnahmen Fehlzeiten?

Wer wegen Nacken-, Schulter- oder Armschmerzen nicht arbeiten kann, hofft, durch einen besser eingerichteten Arbeitsplatz seltener auszufallen. Doch auch dafür fanden die Forscher keine überzeugenden Belege. In drei Studien mit insgesamt 759 Teilnehmern waren rechnerisch etwa 14 von 100 Beschäftigten in den Ergonomiegruppen krankgeschrieben. In den Vergleichsgruppen waren es rund 16 von 100. Ob dieser Unterschied tatsächlich auf die ergonomischen Maßnahmen zurückging oder nur zufällig zustande kam, lässt sich nicht sagen.

Ob ein ergonomisch angepasster Arbeitsplatz dazu beiträgt, dass Betroffene seltener zum Arzt müssen oder andere medizinische Behandlungen benötigen, bleibt ebenfalls offen. Die wenigen Studien dazu lieferten widersprüchliche Ergebnisse. Und ob die Beschwerden nach einer Besserung irgendwann zurückkehren, hat keine der Untersuchungen erfasst.

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