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Politik

„Fridays for Future“ will Strategie ändern

wochentlich.deBy wochentlich.de20 Dezember 2023Keine Kommentare4 Mins Read
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„Fridays for Future“ will Strategie ändern
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Die junge deutsche Klimabewegung will sich neu aufstellen. „Wir gehen einen Schritt zurück“, sagte Carla Reemtsma von „Fridays for Future“ bei „Markus Lanz“ – und verteidigte die „Letzte Generation“.

Nach der „Letzten Generation“ überdenkt auch „Fridays for Future“ die Strategie, um mehr Druck auf die Politik aufzubauen. „Genauso wie die ‚Letzte Generation‘ jetzt beispielsweise ein neues Strategiepapier vorgestellt hat, gehen wir auch diesen Schritt zurück, weil wir merken: Hey, wir stoßen da gerade an Grenzen“, sagte Sprecherin Carla Reemtsma am Dienstagabend bei „Markus Lanz“.

Die Gäste

Carla Reemtsma, „Fridays for Future“
Linus Neumann, „Chaos Computer Club“
Florence Gaub, Zukunftsforscherin
Rafael Laguna de la Vera, Innovationsexperte

Es gebe in der Bevölkerung zwar Mehrheiten für mehr Klimaschutz, sagte Reemtsma. Dennoch liefere die Politik weiterhin keine überzeugenden Lösungen. Ihre Bewegung wolle deshalb „auch sozusagen den Schritt machen, andere Sachen auszuprobieren“. Eine Radikalisierung ließ sich aus ihren Antworten bei Lanz aber nicht herauslesen.

Neumann: Deutschland ist „gemütlich und arrogant“ geworden

„Wir müssen vielleicht neue Formen ausprobieren. Wie kommen wir näher an die Menschen irgendwie ran, die vielleicht Berührungsängste mit KlimaaktivistInnen, mit Klima als Thema als solches haben?“, sagte die Sprecherin von „Fridays for Future“.

Dass auch Lanz jungen Klimaschützern immer wieder gern mit Blick auf die Zukunft einen bemitleidenswerten Pessimismus attestiert, kam bei Linus Neumann vom „Chaos Computer Club“, nicht so gut an. Nur, weil man reale Missstände benenne, sehe man ja nicht grundsätzlich alles schwarz.

Der IT-Experte und Diplom-Psychologe attestierte Deutschland eine Art „erlernte Hilflosigkeit“. Anstatt angesichts verfehlter Klimaziele in konstruktiven Aktionismus zu verfallen („Wir hätten ja überhaupt nichts zu verlieren“) werde das Problem lieber kleingeredet und damit gar nicht erst angegangen. Deutschland sei „gemütlich und arrogant“ geworden, meinte Neumann.

Dass sich bei vielen Menschen angesichts von Corona, Ukraine-Krieg und Nahost-Konflikt zum Jahresende das Gefühl breitmacht „So schlimm war es noch nie“, nervt die Zukunftsforscherin Florence Gaub. Das sei eine Art „Ego-Boost“, attestierte sie – im Sinne von: Es ist zwar alles furchtbar, „aber wenigstens sind wir live dabei“.

Für die Forscherin hängt das neben der negativen medialen Dauerbeschallung auch mit einem gesteigerten Selbstwertgefühl jedes Einzelnen zusammen. In den 80er Jahren stimmten ihr zufolge in Umfragen nur zehn Prozent der Aussage „Ich in etwas Besonderes“ zu. Heute seien es 80 Prozent.

Das verleiht laut Gaub persönlichen Ängsten, aber auch Ohnmachtsgefühlen eine größere Strahlkraft, als ihnen vermutlich zukommt. So würden junge Menschen in China oder Indien die Klimakrise zwar anerkennen, aber mehr Zuversicht in Lösungen haben.

Früher war auch schon Untergang

Die Forschungsdirektorin des NATO Defense College in Rom, der Militärakademie des Verteidigungsbündnisses, empfahl jungen Menschen, mit ihren Großeltern über deren Ängste in der Jugend zu sprechen. Auch sie sei angesichts von Waldsterben, Ozonloch und Tschernobyl mit Weltuntergangsängsten aufgewachsen, sagte die 46-Jährige.

Innovationsexperte Rafael Laguna de la Vera holte noch weiter aus. Verglichen mit Spanischer Grippe, Weltwirtschaftskrise und Adolf Hitler gebe die aktuelle Lage wirklich keinen Anlass zur Verzweiflung – sehr wohl aber zur engagierten Suche nach Lösungen an den unterschiedlichsten Stellen.

Laguna ist Direktor der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND). Er hat dieses Jahr im Auftrag der Regierung nach eigenen Angaben rund 170 Millionen Euro in Forschungsprojekte investiert, die Deutschland voranbringen sollen. Diese Projekte reichen von Schaum, der Mikroplastik aus Gewässern entfernt, bis hin zum höchsten Windrad Deutschlands, wie er betont.

Der Bau des Windrads wurde im Sommer beschlossen. Die Idee: Auf bestehende Windräder wird quasi eine zweite Etage draufgesetzt. Die Struktur erreicht dann über 300 Meter Höhe und soll dafür sorgen, dass mit der gleichen Grundfläche viermal mehr Strom erzeugt werden kann.

2024 soll die Innovationsschmiede bis zu 230 Millionen Euro investieren. Nötig wären am Ende rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr, damit Deutschland mit staatlich geförderten Fortschritten etwa in den USA Schritt halten kann, sagte Laguna. Aber das hänge natürlich letztlich immer davon ab, wie viel Geld vom Staat komme. Den Streit um die Haushaltskürzungen 2024 ersparte Lanz der Runde an dieser Stelle.

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