Nach Trumps Niederlage

Eine große Streitfrage flammt in der AfD wieder auf


Aktualisiert am 05.11.2026 – 16:26 UhrLesedauer: 4 Min.

imago images 0869699841

AfD-Chefin Alice Weidel: Was tun mit dem schlechten Ergebnis für die Republikaner? (Quelle: IMAGO/Lenny Karpe/imago)

Trumps Niederlage erschüttert auch die AfD. Zwei Lager stehen sich gegenüber.

Nicht nur die Mehrheit in Senat und Repräsentantenhaus, auch traditionelle Republikaner-Hochburgen wie Texas, Kansas und Iowa gingen bei den US-Zwischenwahlen verloren: Donald Trump ist von Wählern in den USA hart abgestraft worden. Auch innerhalb der deutschen Rechten geht man angesichts dieser historischen Niederlage auf Fehler- und Sinnsuche.

Schließlich ist die AfD eng mit Trump verbündet. Sie hat Konzepte seiner MAGA-Bewegung kopiert und Trump in mehrfacher Weise als Heilsbringer gefeiert: als Treiber eines internationalen Rechtsrucks, als Helfer im Wahlkampf, als Kämpfer gegen die EU, als Schutzschild vor einem AfD-Verbotsverfahren.

Jetzt aber bricht eine große, alte Streitfrage in der AfD wieder auf, die die Partei in der Außenpolitik lange zerrissen hat: Wie viel Amerika will und soll man wagen – und wie laut Kritik am großen Verbündeten üben?

AfD-Politiker Braga: USA-Kritik zu lange „unerwünscht“

In der Frage stehen sich traditionell Transatlantiker auf der einen Seite und Antiamerikanisten, Souveränisten, Russlandfreunde auf der anderen gegenüber. Letztere erhalten nun einigen Aufwind und ziehen kritisch Bilanz: Zu viel Trump habe die AfD gewagt – und zu wenig Kritik geübt.

„Trumps Problem ist der Iran-Krieg und die damit einhergehenden gestiegenen Lebenshaltungskosten in den USA“, sagt Torben Braga t-online. Er ist Bundestagsabgeordneter aus Thüringen und sitzt für die AfD im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags. Trump habe so zwei seiner zentralen Wahlversprechen gebrochen: „No more wars“ und „America first“ (übersetzt: keine Kriege mehr und Amerika zuerst).

Ganz ähnlich sieht es offensichtlich auch AfD-Chefin Alice Weidel. Das Ausmaß der Niederlage der Republikaner sei „bemerkenswert“ und „vor allem mit den verheerenden Folgen des Iran-Krieges zu erklären“, sagte sie t-online.

Braga allerdings kritisiert auch die Zurückhaltung der eigenen Partei: Die AfD habe in der Vergangenheit eine Haltung eingenommen, die den Krieg gegen den Iran zwar nicht goutierte, „aber Kritik an den USA als unerwünscht oder ungebührlich einstufte“. Das sei schädlich. Er verweist auf die infolge des Krieges auch in Deutschland gestiegenen Preise. „Wenn wir uns zurückhalten, entsteht der Eindruck, dass wir uns diese Position der Amerikaner zu eigen machen“, sagt er. „Das wäre fatal.“

Torben Braga: „Das wäre fatal.“ (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Als „fatal“ bezeichnet auch der frühere außenpolitische Sprecher der AfD, Russlandfreund Matthias Moosdorf, das Ergebnis der Republikaner in den USA. Er fordert: Die nun „quasi hereingebrochene Realität“ müsse endlich ein Umdenken in der AfD befördern. Rabiater formuliert der AfD-Landtagsabgeordnete Martin Schmidt: „Trump und co. müssen abgeschüttelt werden. Sie zerstören die Republikaner und rechten Verbündeten von innen und außen derzeit.“

Vetternwirtschaft und „Rechts-Slopulismus“

Der Autor der Neuen Rechten und AfD-Stratege Benedikt Kaiser greift in der Problemanalyse weiter aus. Die „brutale Niederlage“ sei von den Republikanern selbst verschuldet, schreibt er auf X und zählt als hausgemachte Probleme auf: „Preiseskalation, Kriege, Vetternwirtschaft.“ Kaiser schreibt weiter: „Der Rechts-Slopulismus, fest verknüpft mit der Iran-Kriegs-Raserei, wird abgewählt. Land für Land. Wann werden es die Neo- und Libkons in der AfD und anderswo begreifen?“

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version