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Politik

AfD als Theaterstück: Noch mehr Drama braucht es nicht

wochentlich.deBy wochentlich.de18 Januar 2024Keine Kommentare3 Mins Read
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AfD als Theaterstück: Noch mehr Drama braucht es nicht
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Die „Correctiv“-Redaktion bringt ihre AfD-Recherche auf die Bühne. Das verwischt eine Grenze – und ist potenziell schädlich.

Die „Correctiv“-Redaktion hat in der vergangenen Woche mit ihren Enthüllungen zum Treffen von AfD-Politikern mit Rechtsextremisten eine Bombe platzen lassen. Die Detonationswellen haben Deutschland wachgerüttelt, nach Jahren der Lethargie und des Schulterzuckens blicken plötzlich alle wieder auf die AfD und sehen deutlich, was sie ist: ein Feind der Demokratie, eine Gefahr für unseren Rechtsstaat.

Das ist ein Verdienst der Redaktion und Journalismus im besten Sinne. Aus dem Hinterstübchen rechtsextremer Netzwerker hat sie Ideen und Konzepte ans Licht gezerrt, die noch im Verborgenen bleiben sollten – und dabei offenbar gründlich und faktenbasiert gearbeitet.

Den stärksten Beleg dafür liefern die Reaktionen aus der AfD: Zwar ätzt die Parteispitze über „unwahre Behauptungen“ und „Stasi-Methoden“, Teilnehmer des besagten Treffens distanzieren sich. Aber juristische Schritte hat die sonst so klagefreudige Partei bisher nicht angekündigt. Zu wahr ist offensichtlich eben doch, was berichtet wurde, und zu groß die Sorge, dass das auch noch Gerichte verbriefen.

Leicht angreifbares Tamtam

Nun aber geht die „Correctiv“-Redaktion einen Schritt, der sie aus dem Journalismus, von den Fakten wegführt: An diesem Mittwochabend bringt sie ihre Recherche ins Theater. In einer szenischen Lesung soll aufgeführt werden, was die Redaktion herausfand. Dabei sollen, so die Ankündigung, auch neue Informationen geliefert werden.

Diese Verquickung zweier Gewerke aber birgt eine große Gefahr. Denn Journalismus ist Handwerk, das auf überprüfbaren Fakten basiert. Theater aber interpretiert, überhöht, dramatisiert. Der Recherche und der von ihr angestoßenen Diskussion kann das Verwischen dieser Grenze empfindlich schaden. Aus Journalismus kann plötzlich Aktivismus werden, aus einer für den Erhalt unserer Demokratie wichtigen Recherche ein aufgeblasenes und leicht angreifbares Tamtam.

Schon jetzt kochen die Emotionen über

Es kann inhaltliche Gründe haben, warum die Redaktion so vorgeht. In jedem Fall aber hat es wirtschaftliche: Stärker als andere Redaktionen ist jene von „Correctiv“ auf Spenden angewiesen, stärker als andere inszeniert sie ihre Recherchen deswegen auf allen möglichen Plattformen. Theater ist für sie ein weiterer Multiplikator, den sie schon bei früheren Veröffentlichungen nutzte – zum Beispiel zum Cum-Ex-Steuerbetrug oder zu Schmutzeleien der Kohleindustrie.

Nie aber stand das Thema der Recherchen so sehr im Fokus der Öffentlichkeit wie jetzt, nie waren die sich daran anschließenden Forderungen größer. Laut wird seither nach einem AfD-Verbot gerufen oder gleich der Entzug der Grundrechte für Einzelne wie den AfD-Rechtsextremisten Björn Höcke gefordert. Schon jetzt also ist die Empörung auf einem Höhepunkt, kochen die Emotionen über – und schlagen die diskutierten Gegenrezepte zum Teil deutlich ins Autoritäre.

Noch mehr Drama braucht es in dieser aufgeheizten Stimmung wirklich nicht. Sondern mehr Fakten, geliefert mit einem kühlen Kopf – und im dafür richtigen Format.

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