Stecken dahinter staatliche Akteure?
Das ist nicht zwingend so, zur Manipulation braucht es nicht viel. FPV-Drohnen, also der gängige Drohnentyp mit Kamera und entsprechender Steuerung, lassen sich heute mit minimalem technischem Aufwand anpassen. Das geht mit Teilen eines chinesischen Versandhändlers und KI-Tools. Das ist aber eine Standard-Angriffsmethode, die wir aus aktuellen Krisenherden kennen.
Zur Person
Stephan Kraschansky ist Leiter der Sparte Militär & Behördenkunden der Aaronia AG, die auf die Abwehr von Drohnen spezialisiert ist, und Geschäftsführer der Aaronia Austria GmbH. Zuvor war er Offizier beim Österreichischen Bundesheer und verantwortete unter anderem die Abteilung für elektronische Drohnenabwehr.
Das merken sie in der Ukraine, wo Ihre Technik zur Drohnenerkennung massiv im Einsatz ist?
Wir haben dort wenige Tage nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gesehen, wie schnell die russische Seite Frequenzen manipuliert. Sich dagegen zu verteidigen, ist technisch absolut machbar – aber eben nicht mit den kleinen Standard-Detektoren, die sich an vielen europäischen Flughäfen finden. Uns war von Anfang an klar, dass böswillige Akteure versuchen werden, über Frequenzwechsel zu täuschen. Als wir unsere ersten Systeme auslieferten, deckten sie bereits eine extrem große Bandbreite an Frequenzen ab. Die Befürchtung ist traurige Realität geworden.
Deutschland war beim Thema Drohnendetektion eigentlich früh dran. 2019 beauftragte das Verkehrsministerium die Deutsche Flugsicherung, Drohnen-Detektion an 16 internationalen deutschen Verkehrsflughäfen aufzubauen. Das wurde aber 2023 gestoppt, als Kosten von 30 Millionen Euro pro Flughafen im Raum standen.
Die Zahl hat vielleicht abschreckend gewirkt. Eine realistische Summe liegt bei etwa der Hälfte, bei 15 Millionen – je nach Größe des Standorts. Der Mensch zahlt ungern Versicherungen, bis es einmal so weit ist. Wenn es aber einen katastrophalen Zwischenfall oder ein explodierendes Flugzeug braucht, ist es zu spät.
Wie sieht die Abwehr mit einem solchen System aus?
Einerseits ist das elektronisches Jamming. Unsere Systeme programmieren sich im Ernstfall blitzschnell auf die exakte Frequenz der ankommenden Drohne. Aber wir sehen längst autonome Drohnen oder glasfasergesteuerte Systeme, die völlig ohne Funksignale auskommen. Da hilft nur noch kinetische Abwehr.
Also physisches Abfangen. Wir reden aber nicht von Abschießen?
Da natürlich rund um zivile Flughäfen keine Flugabwehrgeschütze aufgestellt werden können, setzen wir auf Lösungen wie Netzabfangdrohnen. Da kooperieren wir aktuell mit einem deutschen Anbieter. Ein alternativer Weg ist, eine Drohne mit einer anderen Drohne zu rammen.
Kann ein Flughafen überhaupt komplett vor Drohnen geschützt werden?
Wir zeigen aus unserer Sicht, dass es funktioniert: An den Flughäfen, die von Aaronia geschützt werden, gab es bisher keine durch Drohnen verursachten sicherheitsrelevanten Ausfälle. Die ersten Flughäfen, die wir ausgerüstet haben, waren London-Heathrow und Maskat im Oman. Das war eine Reaktion darauf, dass der Flughafen Gatwick nach 100 Drohnensichtungen im Dezember 2018 für drei Tage lahmgelegt war.
