Nach überraschender Kampfkandidatur

Kubicki wird FDP-Chef – Strack-Zimmermann unterliegt


Aktualisiert am 30.05.2026 – 16:27 UhrLesedauer: 2 Min.

Wolfgang Kubicki (r): Marie-Agnes Strack-Zimmermann gratuliert dem neuen Parteichef. (Quelle: Michael Kappeler)

Mit rund 60 Prozent der Stimmen setzt sich Wolfgang Kubicki als FDP-Chef durch. Die Kampfkandidatur von Marie-Agnes Strack-Zimmermann blieb damit erfolglos.

Wolfgang Kubicki ist neuer FDP-Chef. Er besiegte bei der Wahl am Samstagnachmittag die überraschend angetretene Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit rund 60 Prozent der Stimmen. Kubicki erhielt von den Delegierten 390 Stimmen, Strack-Zimmermann 259. Vier Delegierte enthielten sich, fünf stimmten für beide mit Nein. Er nahm die Wahl an.

Strack-Zimmermann hatte am Samstag aus dem Nichts ihre Kandidatur verkündet. Sie trete an, um einen „faulen Burgfrieden“ zu verhindern, erklärte Strack-Zimmermann. „Wir lieben den Wettbewerb, solange er nicht stattfindet. Wir predigen Leistung, solange es nicht zu unbequemen Kandidaturen kommt. Wir predigen Meinungsfreiheit, fordern aber intern Meinungsgleichheit.“

Kubicki und Strack-Zimmermann sind langjährige Kontrahenten

Sie hatte auch das Kubicki-Lager innerhalb der FDP scharf kritisiert, insbesondere wegen seines Umgangs mit Hennig Höne, der zunächst gegen Kubicki angetreten war, vor wenigen Wochen aber seine Kandidatur zurückzog. In ihrer Rede stichelte Strack-Zimmermann immer wieder gegen Kubicki.

Kubicki gilt in der FDP als Rechtsliberaler, die 68-jährige Strack-Zimmermann steht eher für eine sozialliberale Ausrichtung und ist im Europaparlament Vorsitzende des Verteidigungsausschusses. Die beiden gelten parteiintern seit Langem als Kontrahenten.

Bisheriger Parteichef Dürr nach Misserfolgen in der Kritik

Der neue Chef soll nun schaffen, was dem bisherigen Vorsitzenden Christian Dürr seit seiner Wahl vor einem Jahr nicht gelang: die FDP aus der zunehmenden Bedeutungslosigkeit herauszuführen und wieder zu einem ernsthaften politischen Faktor zu machen.

Christian Dürr (Archivbild): Er war nur ein Jahr lang FDP-Chef. (Quelle: Bernd Weißbrod/dpa/dpa-bilder)

Der frühere Fraktionschef Dürr war nach dem Scheitern der Liberalen an der Fünfprozenthürde bei der Bundestagswahl im Februar 2025 an die Spitze der Partei getreten. Ihm gelang es aber nicht, das Ruder herumzureißen. In diesem Jahr kassierte die FDP bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg (4,4 Prozent) und Rheinland-Pfalz (2,1 Prozent) bittere Niederlagen. In beiden Ländern kam sie nicht mehr in den Landtag. Daraufhin traten Präsidium und Bundesvorstand zurück.

Erste Bewährungsproben schon bei Wahlen im Herbst

Die neue Führungsmannschaft wird nur für ein Jahr gewählt. Die erste Bewährungsprobe hat die neue Spitzenperson bereits im September vor sich. Dann werden in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin neue Landesparlamente gewählt.

In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sitzen die Freien Demokraten noch in den Landtagen, in Magdeburg gehören sie sogar der Landesregierung an. In allen drei Ländern liegt die FDP aktuell in den Meinungsumfragen aber bei unter fünf Prozent.

Noch wichtiger werden die Landtagswahlen im April kommenden Jahres in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen sein. Schleswig-Holstein ist die Heimat von Kubicki, NRW die von Höne, der nun zum Stellvertreter Kubickis gewählt werden will. Misserfolge in beiden Ländern würden die neue FDP-Spitze stark beschädigen.

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