Entscheidung erwartet

Wird Neonazi Liebich nach Deutschland gebracht?

Aktualisiert am 01.06.2026 – 04:00 UhrLesedauer: 3 Min.

Die Rechtsextremistin hatte in Deutschland die Eintragungen von Namen und Geschlecht ändern lassen. (Archivbild) (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa/dpa-bilder)

Derzeit sitzt Marla Svenja Liebich in einem tschechischen Gefängnis. Die Bedingungen dort gelten als hart. Warum Liebich trotzdem dort bleiben will – und warum das eher unwahrscheinlich scheint.

Das Landgericht im tschechischen Pilsen will heute (14.00 Uhr) die Entscheidung verkünden, ob die verurteilte Rechtsextremistin Marla Svenja Liebich an Deutschland ausgeliefert wird. Die Staatsanwaltschaft Halle in Sachsen-Anhalt hat einen solchen Schritt beantragt, Liebich lehnt das ab. Ist über eine Auslieferung rechtskräftig entschieden, soll Liebich an die deutschen Behörden übergeben und in die Justizvollzugsanstalt nach Chemnitz gebracht werden.

Die Rechtsextremistin wurde in Deutschland zu einer Haftstrafe verurteilt, saß bislang aber nie ein, sondern floh stattdessen. Anfang April wurde sie an der Grenze zwischen Tschechien und Deutschland festgenommen und sitzt seitdem in tschechischer Haft. Ihren Widerstand gegen eine Auslieferung begründete die 55-Jährige am ersten Verhandlungstag in Pilsen damit, dass sie befürchte, in Deutschland in ein Männergefängnis gebracht zu werden und in Haft ums Leben zu kommen.

Schon in Deutschland trag Liebich als Frau gekleidet vor Gericht auf. (Archivbild) (Quelle: Sebastian Willnow/dpa/dpa-bilder)

Die Rechtsextremistin war seit Ende August 2025 zunächst deutschland-, dann europaweit gesucht worden. Liebich war im Juli 2023 – damals noch als Mann mit dem Vornamen Sven – vom Amtsgericht Halle wegen Volksverhetzung, übler Nachrede und Beleidigung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.

Nach der Verurteilung hatte Liebich das Geschlecht von männlich auf weiblich ändern lassen. Außerdem wurde der Name von Sven in Marla Svenja angepasst. Kritiker hielten das für eine Provokation und sprachen von einem Missbrauch des Selbstbestimmungsgesetzes. Dennoch wurde Liebich zum Haftantritt ins Frauengefängnis in Chemnitz geladen, erschien dort jedoch nicht.

Mitte Mai vertagte das Landgericht Pilsen die Entscheidung über die Auslieferung. (Archivbild) (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa/dpa-bilder)

Derzeit sitzt Liebich im Gefängnis Pilsen (Plzen), auch Bory genannt. Dort gibt sowohl Einzel- als auch Gemeinschaftszellen. Untergebracht sind mehr als 1.200 Häftlinge – darunter Schwerverbrecher. Es ist überwiegend ein Männergefängnis, es gibt aber auch vereinzelt weibliche Insassinnen. In Tschechien ist die Überbelegung der Haftanstalten ein großes Problem.

Die Bedingungen in dem Gefängnis in der Stadt im Westen Tschechiens gelten als hart. Unter anderem zeigt der Streamingdienst Netflix in einer Serie Einblicke hinter die Gefängnismauern von Pilsen.

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