Anzeichen erkennen
Wie sich eine Depression bei Männern zeigen kann
Aktualisiert am 28.09.2025 – 08:11 UhrLesedauer: 4 Min.
Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Bei Männern werden sie oft erst spät erkannt und bleiben somit lange unbehandelt.
Depressionen betreffen Männer wie Frauen. Doch bei Männern bleibt eine Depression oft lange unerkannt – oder wird gar nicht diagnostiziert. Der Grund: Die männliche Depression kann andere, eher untypische Symptome zeigen. Das führt dazu, dass Betroffene oft lange ohne Hilfe sind und das Risiko für schwere Krankheitsverläufe zunimmt.
Menschen mit einer Depression erleben Phasen tiefer Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Diese Symptome können so stark ausgeprägt sein, dass Betroffene ihren Alltag nicht mehr bewältigen können. Sie ziehen sich immer mehr aus dem Sozialleben zurück und meiden zunehmend den Kontakt zu Angehörigen und Freunden. Für Dinge, die früher Freude bereitet haben, fehlt jeglicher Antrieb.
Oftmals sind es belastende Lebensereignisse sowie körperliche oder psychische Erkrankungen, die eine Depression auslösen. Auch eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle. Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit zufolge erkranken bis zu 20 Prozent der Menschen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal an einer Depression.
Eine Depression kann weitreichende Folgen haben. Depressionen können die Lebensqualität erheblich einschränken und Betroffene komplett aus ihrem Alltag reißen. Bleibt eine Depression unbehandelt, kann der Leidensdruck so groß werden, dass Betroffene Suizidgedanken und Selbsttötungsabsichten entwickeln. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit rund 280 Millionen Menschen unter einer Depression. Mehr als 700.000 Menschen sterben jedes Jahr durch Suizid.
Wie die Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Suizidprävention betont, ist eine Depression eine ernst zu nehmende Erkrankung, die erhebliches Leiden verursacht und in jedem Fall behandlungsbedürftig ist. Denn: Menschen, die an einer Depression erkrankt sind, gelingt es nicht, sich allein aus ihrer gedrückten Stimmung zu befreien. Sie benötigen eine psychotherapeutische und häufig auch eine medikamentöse Behandlung.
Damit eine Depression behandelt werden kann, muss sie diagnostiziert werden. Das gestaltet sich besonders bei Männern oft schwierig. Depressionen bei Männern sind weniger im Bewusstsein. Warnsignale werden häufig nicht mit einer Depression in Verbindung gebracht. Das liegt unter anderem daran, dass Depressionen bei Frauen etwa 50 Prozent häufiger festgestellt werden als bei Männern. Was sie in den Köpfen vieler Menschen zu einer „Frauenkrankheit“ macht – zu Unrecht.
Zudem zeigen sich bei Männern oft andere Depressionssymptome als bei Frauen, was die Einordnung erschwert. Eine Männerdepression zeigt sich nicht zwingend durch „typische“ Symptome wie eine gedrückte, depressive Stimmung, Antriebslosigkeit, negative Gedanken, erhöhte Ermüdbarkeit und den Verlust von Interesse und Freude.
Ein Teil der betroffenen Männer zeigt Symptome, welche weitläufig meist nicht mit einer Depression assoziiert sind, darunter:
- vermehrte Reizbarkeit
- geringe Stresstoleranz
- Aggressivität, Ärger, Wut, Feindseligkeit
- Suchtverhalten, etwa eine Alkoholabhängigkeit oder Drogenmissbrauch
- erhöhte Risikobereitschaft
- sozialer Rückzug (Schweigsamkeit, Distanz im Familien- und Freundeskreis)
Während sich eine Depression bei Frauen häufiger durch nach innen gerichtete Verhaltensweisen wie Traurigkeit, Antriebslosigkeit, ständiges Grübeln, Schuldgefühle, Erschöpfung und Weinen zeigt, sind bei Männern eher nach außen gerichtete Verhaltensweisen zu finden, die nicht mit Schwäche assoziiert sind.
Warum sich eine Depression bei Männern anders äußert, ist nicht abschließend geklärt. Möglicherweise spielen gesellschaftliche Rollenbilder und -erwartungen sowie der Wunsch, stark zu sein und die Kontrolle zu behalten, mit hinein. Die belastenden Gefühle drücken sich entsprechend häufig auf anderem Wege aus. So treten statt Traurigkeit nicht selten Wut und Reizbarkeit auf.
