Der Bart ist zurück: als Stilmittel, Schutzschild und Statement. Was unter den Haaren auf der Haut passiert, zeigt sich oft erst auf den zweiten Blick.

Evolutionär wird er als Signal für Geschlechtsreife, soziale Dominanz, Alter und Erfahrung erklärt, aber auch als Zeichen einer gesunden Grundausstattung mit Testosteron: der Bart. Er verlieh Männern markantere Gesichtszüge und vergrößerte optisch den Kiefer. Die Pharaonenbärte im alten Ägypten signalisierten Herrschaft und religiöse Macht, und wenn es der eigene Bartwuchs nicht hergab, wurde mit künstlichen Modellen nachgeholfen. Die antiken Griechen ließen ihn wachsen, um Alter und melierte Weisheit zu demonstrieren. Andere schirmen mit dem Bart heute schädliche UV-Strahlung ab, nutzen ihn als Wärmeregulator oder schlicht als Schutz gegen Hautverletzungen.

Gepflegt wurde der Bart seit jeher mit Hingabe, unter Zuhilfenahme von Parfümen oder Ölen. Nachdem das Karussell sich gedreht hatte, über verschiedene Umwege hin zur formellen Glattrasur, ist der Bart inzwischen längst wieder bei uns angekommen. Er steht, respektive hängt, nunmehr für Individualität, Reife und Selbstbewusstsein, bei Politikern mitunter auch für Robustheit und Volksnähe.

Barbershops boomen

Der sogenannte Dreitagebart (bei manchen Männern braucht er übrigens ein bisschen länger) soll auch ein sonst eher langweiliges Gesicht mit einem Mal wild und verwegen erscheinen lassen. Andere Bartträger sind es einfach deshalb, weil sie keine Lust haben, sich jeden Tag zu rasieren, weil der Bart etwa ein fliehendes Kinn verdeckt oder die Gesichtsform anderweitig günstig korrigiert.

Und seit ein paar Jahren eröffnet überall dort, wo früher vielleicht den Kurzwarenladen, eine Bäckerei oder ein Briefmarkengeschäft war, ein Barbershop. Das sind Tempel des Lifestyles, die auch der Gesichtsbehaarung wieder mit Ölen, Wachsen und speziellen Stylingprodukten die angemessene Ehre erweisen. Bartöl kann dabei auch mal sinnvoll sein, wenn es sparsam eingesetzt wird: Es macht Barthaare geschmeidiger, vermindert Reibung und kann die Haut darunter vor Austrocknung schützen, wenn sie nicht selbst fettig ist.

Unterschiede zur Kopfbehaarung

Zu viel Öl, stark parfümierte Produkte oder Poren verstopfende Mischungen können aber auch Pickel, Akne, Hautirritationen oder allergische Ekzeme begünstigen. Barbershops sind seit jüngerer Zeit auch bekannt aus den Medien wegen des Risikos für die Übertragung von Hautpilzen wie Tinea barbae oder Tinea capitis, aber auch bakteriellen Infektionen – vor allem bei unzureichender Hygiene von Klingen, Maschinen und Handtüchern.

Barthaare unterscheiden sich biologisch deutlich von der Kopfbehaarung: Sie sind stärker androgenabhängig, das heißt stärker geprägt durch Hormone, die – gebildet in Hoden und Nebennieren – die Entwicklung der männlichen Geschlechtsmerkmale steuern.

Barthaare haben einen dickeren Haarschaft, ihr Querschnitt sieht anders aus (elliptischer), ihr Wachstum ist oft mit Krümmungen verbunden, und sie haben einen höheren Anteil schwefelhaltiger Aminosäuren in ihren Hornfäden.

Testosteron ist auch hier entscheidend

Besonders Testosteron, das wichtigste männliche Geschlechtshormon, und das aus dem Testosteron gebildete DHT (Dihydrotestosteron) wirken während der Pubertät auf die Vellushaare ein – auch Pfirsichflaum genannt: Es handelt sich um die schon seit etwa dem sechsten Lebensmonat wachsende dünne Körperbehaarung, die noch unpigmentiert ist.

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