Isolation wegen Hantavirus

Wie entscheidet sich, wo die Quarantäne stattfindet?


11.05.2026 – 17:46 UhrLesedauer: 2 Min.

Jonas Schmidt-Chanasit: Der Virologe erklärt im Gespräch mit t-online, wann eine häusliche Isolierung besser funktionieren kann, als eine stationäre Unterbringung. (Quelle: IMAGO/teutopress GmbH)

Die Quarantänemaßnahmen für die Rückkehrer des vom Hantavirus betroffenen Kreuzfahrtschiffs unterscheiden sich. Ein Experte erklärt, was dahinterstecken kann.

Vier Passagiere des vom Hantavirus-Ausbruch betroffenen Kreuzfahrtschiffs sind inzwischen zurück in Deutschland. Die Passagiere sollen nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) vom Uniklinikum Frankfurt aus in die jeweiligen Bundesländer gebracht werden. Wie es dort für die Betroffenen weitergeht, entscheiden die zuständigen Gesundheitsämter.

So soll eine symptomfreie deutsche Kontaktperson in Baden-Württemberg in häusliche Quarantäne gehen. Eine andere Person, die aus dem Großraum Berlin kommt, soll hingegen auf der Sonderisolierstation der Berliner Charité untergebracht werden. Welche Kriterien sind bei solchen unterschiedlichen Entscheidungen ausschlaggebend?

Häusliche Quarantäne kann gut funktionieren

Der Virologe Professor Dr. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hält die stationäre Unterbringung aller Kontaktpersonen aus fachlicher Sicht nicht automatisch für die bessere Lösung. „Bei asymptomatischen Personen, die zu Hause zuverlässig isoliert werden können und täglich durch die Gesundheitsbehörden nachverfolgt werden, kann eine häusliche Quarantäne sehr gut funktionieren und ist zugleich verhältnismäßiger“, erklärt er t-online.

Häusliche Quarantäne nur unter bestimmten Voraussetzungen

Eine häusliche Quarantäne kommt laut dem Experten aber grundsätzlich nur für asymptomatische Personen infrage, bei denen eine zuverlässige tägliche medizinische Nachverfolgung möglich ist und die zu Hause tatsächlich Abstand zu anderen Menschen halten können. „Entscheidend ist nicht nur das Expositionsrisiko, sondern auch die praktische Umsetzbarkeit der häuslichen Quarantäne“, so der Experte weiter.

Zu den Voraussetzungen für die häusliche Quarantäne zählten etwa ein möglichst getrenntes Zimmer, die Vermeidung enger Kontakte zu Haushaltsangehörigen, die zuverlässige Erreichbarkeit und die Bereitschaft, bei ersten Symptomen sofort zu reagieren. „Entwickeln sich Fieber, Krankheitsgefühl, Muskel-, Magen-Darm- oder Atemwegssymptome, muss die Person umgehend isoliert, ärztlich untersucht und getestet werden.“

Das Ziel müsse sein, bei den ersten Symptomen keine Zeit zu verlieren und eine mögliche Weiterübertragung sofort zu unterbinden. Schmidt-Chanasit betont: „Symptomatische Personen gehören deshalb nicht mehr in eine normale häusliche Quarantäne, sondern in eine medizinisch kontrollierte Isolation und bei klinischem Bedarf ins Krankenhaus.“

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Stationäre Quarantäne in verschiedenen Schutzstufen

Eine solche kontrollierte Umgebung bietet etwa die Sonderisolierstation der Berliner Charité. Die Station bildet eine in sich geschlossene und geschützte Einheit, die über eigene Zugangswege und Schleusensysteme, Lüftungs- und Filteranlagen sowie eine geschlossene Abwasseraufbereitung verfügt. So ist etwa bei hochgefährlichen Erregern eine sichere Versorgung gewährleistet.

Je nach Bedarf kann die Station laut Angaben der Charité in unterschiedlichen Schutzstufen betrieben werden: von reinen Vorsichtsmaßnahmen bei unklaren Kontaktverläufen bis hin zu einer größtmöglichen Isolation. Demnach können Personen nicht nur in Isolation diagnostiziert und überwacht, sondern bei Bedarf auch intensivmedizinisch behandelt werden.

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