Mehrheit will über Psyche sprechen
Warum mentale Erkrankungen bei Männern oft unentdeckt bleiben
Aktualisiert am 18.11.2025 – 14:23 UhrLesedauer: 4 Min.
Zwei Drittel der Männer wollen über mentale Gesundheit sprechen, doch viele wissen nicht, mit wem und auch nicht wie. Warum fällt das Reden so schwer – und was hilft wirklich?
Stress, Depression, Burn-out: Männer wollen über mentale Gesundheit sprechen – aber viele wissen nicht, wie. Das zeigt eine aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag von Pringles: Zwei von drei Männern (66 Prozent) finden es wichtig, dass offen über mentales Wohlbefinden gesprochen wird. 43 Prozent wissen von mindestens einem Mann im Umfeld, dem es mental schlecht geht – bei den 25- bis 34-Jährigen sogar 57 Prozent. Gleichzeitig fühlt sich eine deutliche Mehrheit von fast drei Vierteln unsicher, wie sie Betroffene unterstützen könnten.
Und wie sieht es bei ihnen selbst aus? Jedem zweiten Mann (54 Prozent) fällt es leicht, mit Freunden oder Familie über persönliche Sorgen oder belastende Themen zu sprechen, so ein Ergebnis der Umfrage, ein Drittel (35 Prozent) tut sich schwer damit und neun Prozent vermeiden es ganz.
Diese Zahlen spiegeln wider, was Expertinnen und Experten schon länger beobachten: Das Problembewusstsein steigt, aber der Umgang mit psychischer Belastung bleibt für viele Männer schwierig.
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) schreibt dazu: „Traditionelle Männerrollen verhindern eher eine Achtsamkeit und Aufmerksamkeit für den eigenen Körper“, und dass auch bei psychischen Erkrankungen geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen.
Psychische Erkrankungen zeigen sich bei Männern häufig anders: etwa durch Gereiztheit, Wutausbrüche, erhöhtes Risiko- und Suchtverhalten – zum Beispiel verstärkter Alkoholkonsum –, sexuelle Störungen und körperliche Beschwerden. Auch berichten sie häufiger von Symptomen, die eher typisch für körperliche Erkrankungen (Somatik) sind.
Katarina Stengler, Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie im Helios Park-Klinikum Leipzig, erklärt, dass etwa eine Depression klassischerweise mit Symptomen einhergehe, die vorwiegend auf Frauen bezogen werden, da lange die Auffassung galt, dass Frauen häufiger an Depressionen erkranken als Männer. Zu diesen Symptomen zählen etwa Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, morgendliches Tief, Schlafstörungen und Leistungsdefizite. Diese Symptome träfen auf Männer eher seltener zu, so die Expertin. Bei einer beginnenden Depression würden diese möglicherweise gar nicht auftreten.
Zudem werden psychische Erkrankungen bei Männern schlichtweg seltener diagnostiziert. Aber nicht, weil Männer seltener betroffen sind als Frauen, sondern weil sie seltener zum Arzt gehen, dort eher über körperliche Symptome sprechen, so das Männergesundheitsportal des BIÖG.
Männer und Frauen fühlen sich in der Regel durch unterschiedliche Faktoren gestresst, heißt es auf dem Portal. Während Frauen oft die Doppelbelastung durch Beruf und Familie zu schaffen mache, sei Stress bei Männern eher geprägt „durch mangelnde Anerkennung, Konkurrenz oder das Gefühl, etwas nicht unter Kontrolle zu haben“.
