Herr Güllner, das 2025 Bundestagswahl steht kurz bevor. Meinungsumfragen werden durchgeführt, um das Wahlverhalten der Bevölkerung vorherzusagen. Wie zuverlässig sind diese Schätzungen?
Eine Umfrage kann immer nur die politische Stimmung zum Zeitpunkt ihrer Durchführung wiedergeben. Diese können von den am Wahltag tatsächlich abgegebenen Stimmen abweichen, da manche Wähler ihre Entscheidung erst kurz vor der Wahl treffen oder weil aktuelle Ereignisse im Wahlkampf Einfluss auf die Meinung haben. Regelmäßige Befragungen im Vorfeld einer Wahl können jedoch recht zuverlässig den Prozess der Meinungsbildung bzw. die Einschätzung des inhaltlichen und personellen Angebots der Parteien abbilden.

Wie genau werden Umfragen durchgeführt? Wie viele Personen werden auf welche Weise und wo befragt?
Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, müssen die Befragten sorgfältig ausgewählt werden, um sicherzustellen, dass alle Gruppen in der Stichprobe genauso vertreten sind wie in der Gesamtbevölkerung. Dazu gehören alle Altersgruppen, Bildungsniveaus und Berufe, alle Anhänger einzelner Parteien sowie alle geografischen Regionen innerhalb des Betrachtungsraums. 1.000 oder manchmal sogar weniger Befragte reichen aus, um ein verlässliches Gesamtergebnis zu erhalten. Die Befragung selbst kann auf verschiedene Weise erfolgen: durch persönliche Interviews in den ausgewählten Haushalten, Telefoninterviews, mittels Online-Umfragen oder durch einen Mix verschiedener Methoden. Es hat sich herausgestellt, dass Telefoninterviews die beste Wahl für die Wahlforschung sind.

Soziale Medien spielen mittlerweile eine wichtige Rolle in der politischen Meinungsbildung. Wie wird dies berücksichtigt?
Die Intensität der Social-Media-Nutzung kann ebenso wie die Nutzung klassischer Medien durch Befragungen ermittelt werden. Daher lässt sich der Einfluss sozialer Medien auf die Meinungsbildung der Bürger in Umfragen genauso abschätzen wie der Einfluss traditioneller Medien.

Haben veröffentlichte Umfragen einen Einfluss auf das Wählerverhalten?
Entgegen manchen Behauptungen haben veröffentlichte Umfrageergebnisse keinen Einfluss auf das Wählerverhalten. Dies zeigt sich beispielsweise am Wahlverhalten in den USA, wo Wähler in Kalifornien nie nachweislich beeinflusst wurden, selbst nicht durch vorhandene Wahlergebnisse aus Florida, die weitaus relevanter sind als die Ergebnisse einer Umfrage.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um dem entgegenzuwirken? Desinformation bei Meinungsumfragen?
Es ist wichtig sicherzustellen, dass echte Menschen befragt werden, unabhängig von der verwendeten Umfragemethode. Bei Forsa ist dies auch bei Online-Umfragen gewährleistet. Mehr als 150.000 Personen sind bei „omninet“ registriert, um wiederholt an Online-Umfragen teilzunehmen. Für dieses sogenannte Online-Panel können sich Personen jedoch nicht selbst anmelden, sondern werden über laufende Telefoninterviews rekrutiert.

Manfred Güllner ist Gründer und Geschäftsführer des Forsa-Instituts und einer der bekanntesten Meinungsforscher Deutschlands.

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