Tagelang haben sich Trump und Meloni öffentlich geschmäht, auch an Deutschland ließ der US-Präsident kein gutes Haar. Zum Auftakt des Nato-Gipfels in Ankara herrschte jedoch Harmonie – bis Trump wieder den Hammer auspackte.
Florian Harms berichtet aus Ankara
Welchen Unterschied Social-Media-Kommunikation einerseits und Gespräche von Angesicht zu Angesicht andererseits ausmachen, ist beim Nato-Gipfel in Ankara deutlich geworden. In den vergangenen Tagen hatten sich US-Präsident Donald Trump und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni einen wüsten Schlagabtausch auf Instagram und Trumps privatem Netzwerk Truth Social geliefert. Es ging um ein angeblich von Meloni erbetteltes Foto beim G7-Treffen in Frankreich, um gekränkten Stolz der Römerin und demonstrative Hanswurstigkeit des Amerikaners. Die gegenseitigen Schmähungen gipfelten darin, dass Trump Meloni als Stalkerin darstellte.
Auch für die Deutschen und die Franzosen hatte Trump bei seiner Ankunft in Ankara erst einmal Rüffel parat: Die ausgebliebene Unterstützung im Krieg gegen den Iran quittierte der amerikanische Oberbefehlshaber mit einer Drohung: „Wir könnten alle unsere Soldaten aus Europa abziehen!“ Das saß.
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Beim Abendessen zeigt sich Trump noch charmant
Doch vier Stunden später klang es plötzlich ganz anders: Beim festlichen Abendessen im Palast des Gastgebers Recep Tayyip Erdoğan zeigte sich Trump von seiner charmanten Seite. Merz‘ Ehefrau, die den Kanzler begleitet, habe am Tisch direkt neben dem US-Präsidenten gesessen, hieß es aus deutschen Regierungskreisen. Ihr Gatte, Meloni, Erdoğan und Nato-Generalsekretär Mark Rutte hätten die Runde komplettiert. Bei türkischen Teigtaschen, Fladenbrot und Baklava habe eine „angeregte und freundliche Atmosphäre“ geherrscht, auch zwischen Trump und Meloni. Merz und seine Frau hätten sich „weitgehend den gesamten Abend“ mit Trump über politische und private Themen unterhalten. „Ansonsten viel Pomp und Prunk.“

Die Chefs der europäischen Nato-Staaten sind bei dem Gipfel in der türkischen Hauptstadt erkennbar bemüht, Geschlossenheit und Aufrüstungswille zu demonstrieren. Gemeinsam unternehmen sie enorme Anstrengungen, um Trump im Bündnis zu halten, und investieren so viel wie nie zuvor in ihre Armeen. Im vergangenen Jahr haben sie ihre Verteidigungsausgaben um 20 Prozent erhöht, bis 2030 könnten die Budgets einen jährlichen Umfang von sage und schreibe 800 Milliarden Euro erreichen. Inflationsbereinigt wäre das mehr als doppelt so viel wie ein Jahrzehnt zuvor. Deutschland peilt den neuen Nato-Zielwert von 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung für Militärausgaben und weiteren 1,5 Prozent für zugehörige Infrastruktur schon 2029 an – sechs Jahre früher als gefordert.
