Gewerkschaften erheben Vorwürfe

Trotz großen Stellenabbaus: Deepl-Chef wird „Gründer des Jahres“

22.05.2026 – 13:52 UhrLesedauer: 2 Min.

Das Deepl-Logo wird auf einem Smartphone angezeigt (Symbolbid): das Kölner Unternehmen hat den Abbau von 250 Stellen angelündigt. (Quelle: IMAGO/Zoonar.com/Mojahid Mottakin/imago)

Beim Kölner KI-Überflieger Deepl fällt ein Viertel der Jobs weg. Trotzdem wird CEO Jarek Kutylowski als Gründer des Jahres geehrt.

Der Chef des Kölner KI-Start-ups DeepL ist trotz eines massiven Stellenabbaus als „Gründer des Jahres“ ausgezeichnet worden. Jarek Kutylowski erhielt den Preis bei den „German Startup Awards“am Donnerstagabend. Der Startup-Verband würdigte damit seine Arbeit an einer KI-basierten Übersetzungssoftware, die weltweit eine präzise Verständigung über Sprachgrenzen hinweg ermögliche.

Dabei hatte Kutylowski erst Anfang Mai angekündigt, rund 250 Stellen bei DeepL zu streichen – etwa jede Vierte im Unternehmen. Zur Begründung erklärte der Gründer, kleinere und fokussiertere Teams seien notwendig, um effizient mit Künstlicher Intelligenz arbeiten zu können. DeepL steht im Wettbewerb mit großen US-Konzernen wie Google, Microsoft und OpenAI.

Deepl-Gründer Jarek Kutylowski. (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

IG Metall und Verdi kritisieren Deepl

Nach der Ankündigung des geplanten Stellenabbaus bei Deepl hatten die Gewerkschaften IG Metall und Verdi schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben. Demnach soll die erstmalige Betriebsratswahl am deutschen Stammsitz in Köln gezielt behindert worden sein. Von den Kürzungen betroffen, seit ein großer Teil der rund 620 Beschäftigten in Deutschland.

Bereits Anfang März hatten Beschäftigte gemeinsam mit der IG Metall einen Wahlvorstand gewählt, der die Betriebsratswahl organisieren soll. Nach Angaben der Gewerkschaften verzögerte Deepl jedoch mehrfach die Herausgabe notwendiger Beschäftigtendaten und hielt Fristen nicht ein. Die Wahl konnte deshalb bislang nicht stattfinden.

Schon 2024 habe es einen ersten Versuch gegeben, einen Betriebsrat bei Deepl zu gründen. Bereits damals hätten Beschäftigte von erheblichem Druck durch die Geschäftsführung berichtet.

Deepl: Mitarbeiter empfinden aktuelle Situation als belastend

Jan Brauburger von der IG Metall Berlin kritisierte das Vorgehen deutlich: „Deepl tritt hier die Mitbestimmung mit den Füßen.“ Dass unmittelbar vor der ersten Betriebsratswahl ein erheblicher Teil der deutschen Belegschaft entlassen werden solle, sei „ein Schlag ins Gesicht“ der Mitarbeiter. Die Gewerkschaft fordert die Geschäftsführung auf, das Recht auf Mitbestimmung zu respektieren und den Druck auf engagierte Beschäftigte zu beenden.

Auch Verdi äußerte Kritik. Tjark Sauer, Geschäftsführer von ver.di Köln-Bonn-Leverkusen, betonte, Beschäftigte hätten ein gesetzlich geschütztes Recht auf Mitbestimmung. Wer gleichzeitig hunderte Kündigungen ausspreche und die Betriebsratswahl verzögere, sende ein eindeutiges Signal. Gerade in der aktuellen Situation brauche die Belegschaft Schutz, Transparenz und eine starke Interessenvertretung.

Aktive aus dem Wahlvorstand erklärten zudem, viele Beschäftigte empfänden die Lage derzeit als große Belastung. Ein gewählter Betriebsrat sei gerade jetzt wichtig, um die Interessen der Mitarbeitenden kollektiv vertreten zu können.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version