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Finanzen

Top-Ökonom rechnet mit Dieselpreis von drei Euro

wochentlich.deBy wochentlich.de26 April 2026Keine Kommentare3 Mins Read
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Top-Ökonom rechnet mit Dieselpreis von drei Euro
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Sie haben die Straße von Hormus angesprochen. Die Blockade könnte noch Monate anhalten. Wie teuer kann es werden?

Schwer zu sagen. Die Preissprünge aus dem Jahr 2022 sind ein guter Vergleichswert. Damals sind die Lebensmittelpreise in einem Jahr um etwa 20 Prozent gestiegen. Die Krise betrifft viele Lieferketten gleichzeitig. Das kennen wir aus der Pandemie – plötzlich fehlt ein Rohstoff oder ein Produkt. Deshalb wäre ich vorsichtig. Wir müssen uns in den nächsten ein bis zwei Jahren immer wieder auf Unterbrechungen einstellen – und damit auf Preissprünge.

Könnte sich also ein Preisszenario wie 2022 wiederholen?

Ja. Die Lebensmittelpreise könnten um mehr als 20 Prozent steigen, das halte ich für realistisch. Die Internationale Energieagentur sagt: Dieser Energieschock ist größer als 2022 – vielleicht sogar größer als in den Siebzigerjahren. Damals gab es eine massive Rezession. Das wird hoffentlich diesmal nicht so kommen, da die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern heute geringer ist als damals und auch weil Zentralbanken und andere Institutionen besser vorbereitet sind. Dennoch unterschätzen wir die Risiken. Im Moment dominiert das Prinzip Hoffnung: Es wird schon gutgehen. Das sieht man auch an den Finanzmärkten. Der Börsenboom passt eigentlich nicht zur Weltlage. Auch bei Öl und Gas gehen die Märkte davon aus, dass die Preise bald wieder sinken. Meine Sorge ist: Wir sind zu optimistisch – und weder Unternehmen noch Politik sind vorbereitet.



Die Lebensmittelpreise könnten um mehr als 20 Prozent steigen.


Top-ökonom Marcel Fratzscher


In den vergangenen Tagen gab es vermehrt Warnungen wegen Kerosinknappheit. Wie ernst sollten wir das nehmen?

Sehr ernst. Klar, wir sollten keine Panik schieben. Deshalb verstehe ich auch die Bundeswirtschaftsministerin, wenn sie versucht, die Gemüter zu beruhigen. Aber auch wenn sie jetzt Versorgungssicherheit verspricht, kann in den nächsten Wochen und Monaten eine Menge passieren, sodass sich das Bild sehr schnell verändert. Wir können nicht ausschließen, dass es zu Knappheiten kommt. Wir sind auf Importe von Kerosin angewiesen. Im Notfall werden die Fluggesellschaften keine Alternative haben, als gewisse Flüge zu streichen. Möglich wäre auch, dass der Staat alle innerdeutschen Flüge streicht.

Ist der Sommer- oder Herbsturlaub also in Gefahr?

Für manche Deutschen ist der Sommerurlaub in Gefahr, ja. Denn wenn sie wenig Einkommen haben, müssen sie jetzt schon mehr für Lebensmittel und fürs Tanken zahlen. Das Reisen wird teurer. Und das heißt dann für manche eben auch: Das ist jetzt zu viel. Ich warne aber: Als Gesellschaft ist es in Krisenzeiten wichtig, die Bedürfnisse der schwächsten Mitglieder nicht aus den Augen zu verlieren. Sonst kippt das Gleichgewicht.

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