Leere im Tofu-Regal
Supermärkte kämpfen mit Mangel
10.05.2026 – 15:45 UhrLesedauer: 2 Min.
Deutschlands Supermärkte kämpfen mit einem Tofu-Engpass. Technische Pannen und Fachkräftemangel bremsen die Produktion. Vor allem beim Marktführer klaffen derzeit Lücken. Eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht.
Wer derzeit bei Edeka oder Rewe nach Tofu sucht, blickt häufig in leere Regale. Die Hersteller kommen mit der Produktion nicht hinterher, die Liefermengen sind seit Wochen reduziert.
Besonders hart trifft es den Marktführer Taifun: Ein Maschinenschaden hatte den Betrieb des Freiburger Unternehmens Ende 2025 lahmgelegt. Obwohl der Defekt behoben wurde, kann der Hersteller die Nachfrage noch immer nicht decken. Beliebte Produkte wie Tofu-Würste wurden vorübergehend aus dem Sortiment gestrichen.
Das Problem ist jedoch nicht nur technischer Natur. Auch der zweitgrößte Anbieter, Berief, kann die Nachfrage nur begrenzt bedienen. Neben dem hohen Absatzvolumen macht der Branche vor allem der Fachkräftemangel zu schaffen. Sowohl Berief als auch Taifun berichten von erheblichen Schwierigkeiten bei der Personalsuche. Und ohne neue Mitarbeiter lassen sich die Kapazitäten kaum erhöhen.
Dabei ist die Nachfrage nach Tofu so groß wie nie. Laut der „Lebensmittel Zeitung“ stieg der Absatz im März um über elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Taifun setzt nun alles auf den Herbst. Bis dahin bleibt Tofu in deutschen Supermärkten das, was er eigentlich ersetzen sollte: ein rares Luxusgut.
Tofu befeuert die Fleischwende, doch ist er 2.000 Jahre älter als der moderne Fleischlos-Trend. Seine Herstellung ähnelt der Käseherstellung: Man versetzt Sojamilch mit Gerinnungssalzen wie Nigari, bis das Eiweiß ausflockt. Danach presst man die Masse und schöpft die Flüssigkeit ab – übrig bleibt der sogenannte Bohnenquark.
Sein größter Makel ist zugleich sein größter Trumpf: Tofu schmeckt nach nichts. Er ist ein kulinarisches Chamäleon, das erst durch Gewürze und Marinaden einen Geschmack annimmt. In Asien seit jeher ein Grundnahrungsmittel, ist er in Europa zum begehrten Trendgut aufgestiegen – das derzeit schmerzlich vermisst wird.
