Die Berichtssaison verlangt mehr als solide Zahlen: Erwartungen liegen auf Rekordniveau. Wer nur liefert statt überliefert, gerät an der Börse schnell ins Hintertreffen.

Wer die Berichtssaison – die Zeit, in der Unternehmen ihre Geschäftszahlen und Ausblicke veröffentlichen – als Unternehmen gut überstehen will, muss nicht nur die Erwartungen erfüllen, sondern sie übertreffen: Wenn Umsätze, Gewinne und Ausblicke nur noch im Rahmen sind, sind Investoren heutzutage nicht mehr zufrieden.

(Quelle: Rüdiger Jürgensen)

Zur Person

Antje Erhard arbeitet seit rund 20 Jahren als Journalistin und TV-Moderatorin. Ihr Weg führte sie von der Nachrichtenagentur dpa-AFX u. a. zum ZDF. Derzeit arbeitet sie für die ARD-Finanzredaktion in Frankfurt und berichtet täglich, was in der Welt der Börse und Wirtschaft passiert.

25 Prozent mehr Gewinn, das sind die Erwartungen an die größten börsennotierten Unternehmen in den USA im amerikanischen Aktienindex S&P 500 zur aktuellen Berichtssaison. Im Schnitt. Das ist enorm viel. Damit läge das Gewinnwachstum zum achten Mal in einem Quartal im zweistelligen Prozentbereich. Der S&P steht zugleich auf Rekordhöhe, trotz aller negativen Einflüsse. Diese Kursentwicklung muss nun zur Berichtssaison wieder einmal gerechtfertigt werden. Einige Branchen schaffen das spielend, andere nicht.

Erste durchwachsene Ergebnisse

Um es gleich vorwegzunehmen: Die ersten Bilanzen sind durchwachsen ausgefallen. Schauen wir zunächst auf die Finanzbranche. Sie macht traditionell den Auftakt der Berichtssaison. Der Investmentbank Goldman Sachs gelang die erhoffte Überraschung: Fast 25 Prozent mehr Erträge, fast 30 Prozent mehr Gewinn, vor allem der Aktienhandel lief gut. Die Investoren sind zufrieden. Der Kurs ist im Plus.

Doch das gilt nicht für die gesamte Branche. Die Konkurrenz konnte das nicht in gleicher Manier umsetzen: JP Morgan als größte US-Bank kam auf Gewinn- und Ertragssteigerungen von sechs und acht Prozent. Hier spielte ein einmaliger Effekt, ein Verlust aus einer Geldanlage, eine Rolle, sodass die Börse noch gnädig war. Allerdings war die Aktie in einem Monat um gut fünf Prozent gefallen, kein Drama, aber doch überdurchschnittlich. Anders bei der Citigroup: Sie musste Kursverluste trotz 40 Prozent Gewinnsteigerung hinnehmen.

Finanzbranche mit doppeltem Druck

Die Finanzbranche als wichtiger Indikator für die gesamtwirtschaftliche Lage und Stimmung war damit teilweise also schon ein Stimmungskiller. Die Institute leiden unter höheren Kosten für ihre Finanzierung und mehr Kreditausfällen. Der Sektor ist seit Januar an der Börse nur ein Nullsummenspiel.

Neben der Geldindustrie sind vor allem die Erwartungen an den Energiesektor und die Technologiekonzerne hoch. Und zinssensible Branchen wie Immobilien, Strom- und Gasversorger und Konsumgüter stehen gewaltig unter Druck, das sieht man auch ihren Aktienkursen an. Sie kommen mit der aktuellen Gemengelage tendenziell schlechter klar.

Ölmultis gewinnen ohne Ende

Gewinner sind ganz klar die Energiekonzerne. Sie werden von enorm steigenden Umsätzen und Gewinnen berichten und an der Börse entsprechend hofiert. Der Sektor hat in den USA allein in diesem Jahr 50 Prozent an der Börse eingefahren. Der Krieg im Iran, die hohen Ölpreise und die Aussichten, dass sich der Trend fortsetzt, sorgen derzeit für gute, wenn auch makabere Anlegerstimmung. Das gilt auch für Tankerreedereien.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version