Einsparungen in Millionenhöhe
Düsteres „Tatort“-Szenario: Ermittlerduo bangt um Zukunft
Aktualisiert am 18.05.2026 – 18:11 UhrLesedauer: 2 Min.
Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk fehlen Millionenbeträge. Besonders der MDR ist zu Einschnitten gezwungen. Jetzt kursieren Gerüchte über ein „Tatort“-Aus.
Gegenwärtig weilt der „Tatort“ in seiner historisch längsten Sommerpause, doch hinter den Kulissen des ARD-Gemeinschaftskrimis brodelt es gewaltig. Denn wie der MDR vergangene Woche angekündigt hat, fehlen beim Sender durch die ausbleibende Beitragserhöhung mehrere Millionen Euro. „Die ausgebliebene Beitragsanpassung erzeugt für uns eine erhebliche Finanzlücke, auf die wir deshalb ab 2027 mit einer Etatabsenkung verantwortungsvoll reagieren müssen“, sagte MDR-Intendant Ralf Ludwig. Von bis zu 220 Millionen Euro, die in den kommenden Jahren eingespart werden müssen, ist die Rede.
Davon ist auch der Krimikosmos im MDR betroffen: Sowohl der „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg als auch der „Tatort“ aus Dresden bangen um ihre Zukunft. In dem Maßnahmenkatalog der ARD-Anstalt heißt es dazu: „Pause von MDR ‚Tatort-‚ und ‚Polizeiruf‘-Neuproduktionen für drei Jahre: Der MDR hat bereits fertiggestellte und vertraglich fixierte Produktionen vorrätig, die in den nächsten Jahren zum Einsatz kommen.“
Stellt der MDR seine Millionenkrimis schleichend ein?
Doch bleibt es dabei? Oder ist dies nur der Anfang vom Ende? Produzenten und Darsteller sehen die Situation deutlich kritischer. „Da wir bislang noch keine verbindliche Perspektive für eine Wiederaufnahme in drei Jahren erhalten haben, sehen wir das aktuell nicht als Pause, sondern als Absetzung des ‚Tatort‘ Dresden“, erklärten die Produzenten Nanni Erben und Gunnar Junken in einem Interview mit dem Medienmagazin „dwdl.de“.
Auch die „Bild“-Zeitung greift das Thema auf und zitiert einen namentlich nicht genannten „MDR-Insider“, der die Entscheidung als „ein Aus auf Raten“ bezeichnete. Demnach kursiere im Umfeld des Senders das Gerücht, dass die teuren Krimiformate schleichend eingestellt werden sollen – und die Ankündigung des Intendanten nur eine Verzögerungstaktik sei.

Klar ist, dass der MDR bereits jetzt an allen Ecken und Enden spart. Man gehe laut Ralf Ludwig im Programm und auch beim Personal „längst ans Eingemachte“. Drei Radiosender fallen dem Rotstift zum Opfer, die Verantwortung für das „Mittagsmagazin“ wandere nächstes Jahr zum NDR und das TV-Magazin „MDR um 2“ werde ab 2027 nicht mehr fürs lineare Fernsehen produziert.
In wenigen Tagen starten die Dreharbeiten für einen weiteren „Tatort“ aus Dresden, zudem wurde noch eine Episode bestellt – danach ist allerdings vorerst Schluss. Eine neue Ausstrahlung aus dem Hause MDR werden die Zuschauer zwar erst ab 2028 vermissen, aber Produktionsfirmen, Schauspieler und alle anderen Beteiligten an solchen TV-Projekten müssen schon bald auf Einnahmen verzichten. Ob dies tatsächlich nur für einen begrenzten Zeitraum der Fall ist oder zum Dauerzustand wird: Darauf wird angesichts der Situation beim MDR aktuell niemand wetten wollen.
