Gefahr fürs Gehirn
Neue Daten widerlegen Alkohol-Mythos
26.09.2025 – 11:09 UhrLesedauer: 2 Min.

Viele Menschen glauben, dass ein Glas Wein oder Bier am Abend gesund ist – auch fürs Gehirn. Doch eine aktuelle Studie widerlegt diesen Mythos.
Bisher galten geringe Mengen Alkohol in manchen Studien als potenziell schützend – vor allem im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz. Neue Forschungsergebnisse stellen diese Annahme nun infrage. Ein Forschungsteam der Universität Oxford untersuchte Daten von mehr als 559.000 Menschen aus Großbritannien und den USA. Ziel war es, herauszufinden, wie sich regelmäßiger Alkoholkonsum auf das Demenzrisiko auswirkt.
Zunächst schien es, als könnten geringe Mengen Alkohol sogar schützen: In den klassischen Beobachtungsdaten war das Demenzrisiko bei leichtem bis moderatem Konsum geringfügig reduziert. Doch dieser scheinbare Vorteil entpuppte sich bei genauerem Hinsehen als statistische Täuschung.
Die Forscher nutzten ein spezielles Verfahren, die sogenannte Mendelsche Randomisierung. Damit untersuchten sie genetische Merkmale, die mit einem höheren Konsum in Verbindung stehen.
Das Ergebnis: Ein klarer, linearer Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Demenz. Je höher die genetische Neigung zum Alkoholkonsum, desto höher das Risiko, im Laufe des Lebens an einer Demenz zu erkranken. Für jede Zunahme des Alkoholkonsums um eine Standardabweichung stieg das Risiko um 15 Prozent. Auch die genetische Veranlagung zur Alkoholabhängigkeit ging mit einem höheren Risiko einher. Hier lag der Anstieg bei 16 Prozent.
Ein schützender Effekt geringer Mengen ließ sich in dieser Analyse nicht nachweisen. Auch eine sichere Grenze für „unbedenklichen“ Alkoholkonsum fanden die Forscher nicht.
Warum frühere Studien einen Schutz durch geringe Mengen Alkohol nahelegten, lässt sich laut den Wissenschaftlern mit einem Trugschluss erklären: Menschen trinken oft weniger, wenn sich erste Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Wer später eine Demenz entwickelt, könnte also schon vorher weniger Alkohol konsumiert haben. Nicht, weil das schützt, sondern weil es Teil der frühen Krankheitsphase ist.
Diese sogenannte „umgekehrte Kausalität“ kann in klassischen Beobachtungsstudien zu falschen Schlüssen führen. Die genetische Analyse gilt hier als verlässlicher, weil sie solche Effekte nicht berücksichtigt.
Die neuen Studienergebnisse sprechen klar dafür, Alkoholkonsum kritisch zu hinterfragen. Auch wenn es sich nur um geringe Mengen handelt. Ein vollständiger Verzicht schützt zwar nicht automatisch vor Demenz. Doch je weniger Alkohol im Spiel ist, desto niedriger ist zumindest das alkoholbedingte Risiko. Wer seine Gesundheit langfristig schützen möchte, sollte den Konsum möglichst gering halten.