Überraschende Ergebnisse

Was hinter ständiger Müdigkeit steckt


02.09.2025 – 14:52 UhrLesedauer: 2 Min.

Tagesmüdigkeit: Ein Drittel der Deutschen verspürt tagsüber eine bleierne Schwere. (Quelle: LENblR/getty-images-bilder)

Ausreichend geschlafen und trotzdem tagsüber ständig müde – was kann dahinterstecken? Eine neue Studie gibt Auskunft.

Übermäßige Tagesmüdigkeit (engl. „Excessive Daytime Sleepiness“, kurz EDS) betrifft etwa ein Drittel der Erwachsenen. Gemeint ist damit ein Zustand, bei dem man tagsüber wiederholt ein Schlafbedürfnis verspürt.

Die Betroffenen sind nicht einfach „nur müde“, sondern leiden unter einer ernst zu nehmenden Einschränkung, die auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Depressionen erhöhen kann.

Doch warum leiden manche Menschen daran und andere nicht? Diese Frage haben sich US-Forscher gestellt. Ihre Antwort: Die Ursachen könnten im Stoffwechsel liegen.

Für die Analyse untersuchten die Wissenschaftler über 6.000 Menschen auf rund 900 Stoffwechselprodukte im Blut (sogenannte Metaboliten). Gleichzeitig gaben die Teilnehmer mithilfe eines standardisierten Fragebogens Auskunft über ihre Müdigkeit.

Bei der Auswertung stießen die Forscher auf eine auffällige Gruppe von Stoffen: Abbauprodukte von Hormonen wie Cortisol und Progesteron. Zum Verständnis: Hormone wie Cortisol (ein Stresshormon) oder Progesteron (ein Geschlechtshormon, das auch den Schlaf beeinflusst) werden nicht einfach abgebaut und ausgeschieden, sondern es entstehen Zwischenstufen (Metabolite). Genau diese Stoffe waren in der Analyse besonders auffällig.

Menschen mit einem höheren Spiegel dieser Abbauprodukte waren weniger müde. Und zwar unabhängig davon, ob sie an anderen Krankheiten litten, wenig schliefen oder zum Beispiel rauchten, Alkohol tranken oder Schichtarbeit machten. Die Forscher vermuten: Ein gesunder Hormonhaushalt kann die Tagesmüdigkeit dämpfen. Vermutlich, weil bestimmte Hormone entzündungshemmend wirken und den Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflussen.

Neben Hormonen stießen die Wissenschaftler auf einen zweiten Einflussfaktor: Höhere Spiegel bestimmter Omega-6-Fettsäuren und von sogenanntem Sphingomyelin scheinen die Menschen wacher zu machen. In der Nahrung kommen die Stoffe in pflanzlichen Ölen, Nüssen, Samen und tierischen Produkten wie Fisch, Milch und Fleisch vor.

In der Analyse der Männer zeigte sich noch ein weiterer Zusammenhang: Ein höherer Spiegel des Stoffes Tyramin-O-Sulfat war mit mehr Tagesmüdigkeit und schlechterem Schlaf verbunden. Tyramin kommt in kleinen Mengen in vielen Lebensmitteln vor – etwa in Käse, Wein oder fermentierten Produkten.

Die Forscher vermuten, dass Tyramin über das Nervensystem und spezielle Rezeptoren den natürlichen Wach-Schlaf-Rhythmus beeinflussen kann. In der Studie war ein höherer Tyramin-Spiegel mit einer späteren Einschlafzeit und schlechterem Schlafverhalten verknüpft. Warum der Zusammenhang nur bei Männern festgestellt wurde, ist nicht eindeutig geklärt. Vermutet wird ein unterschiedlicher Hormonhaushalt und Lebensstil.

Die Forscher betonen, dass die Entdeckungen erste Hinweise auf biologische Zusammenhänge liefern. Es sei noch zu früh, um konkrete Empfehlungen abzuleiten. Dennoch eröffnen die Ergebnisse neue Möglichkeiten: So kann es sich lohnen, seinen Hormonstatus überprüfen zu lassen, wenn Tagesmüdigkeit zu Leidensdruck führt.

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version