Kann auch schaden

Lächeln hebt die Stimmung? Nicht unbedingt


Aktualisiert am 05.11.2026 – 12:34 UhrLesedauer: 3 Min.

Frau lächelt im Gespräch (Symbolbild): In vielen Berufen wird von den Mitarbeitern Freundlichkeit erwartet. (Quelle: ZenSaBi/Thinkstock by Getty-Images-bilder)

Lächeln kann kurzfristig aufmuntern. Unter bestimmten Bedingungen könnte es der Laune allerdings auch abträglich sein. Was Psychologen herausgefunden haben.

Gerade wer im Verkauf, in der Gastronomie oder am Empfang arbeitet, setzt es früher oder später auf: das höfliche, aber nicht ganz echte Lächeln. Es soll professionell wirken und dem Gegenüber ein gutes Gefühl geben. Doch wie fühlt sich eigentlich die lächelnde Person selbst dabei?

Mehrfach schon haben psychologische Experimente gezeigt, dass ein Lächeln – selbst ein falsches – die Laune verbessern kann. Eine neue Untersuchung legt allerdings nahe, dass es dabei eine wichtige Einschränkung gibt: Wenn jemand auf Kommando lächeln soll, scheint die Gemütsverfassung eher darunter zu leiden.

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So lief die Studie ab

Für die Studie nahmen 1.174 Menschen an einem Online-Experiment teil. Einige bekamen angenehme Bilder zu sehen, etwa von Blumen und Kätzchen, andere unangenehme Motive, beispielsweise von Diebstahl oder Tiermisshandlung.

Während sie die Bilder betrachteten, sollten die Teilnehmer entweder bewusst lächeln oder ihren Gesichtsausdruck nicht beeinflussen, sondern natürlich reagieren. Einige absolvierten die Aufgabe nur einmal, andere zehnmal. Zusätzlich setzten die Forscher die Hälfte der Teilnehmer unter finanziellen Druck: Wer die Anweisungen nicht befolgte, sollte zwei Dollar seiner insgesamt sechs Dollar hohen Vergütung verlieren. Tatsächlich erhielten aber alle Teilnehmer den vollen Betrag.

Wenn ein Lächeln die gute Laune kostet

Wozu all das? Die Forscher wollten wissen, wann ein aufgesetztes Lächeln die Laune hebt und wann es eher das Gegenteil bewirkt. Deshalb fragten sie die Teilnehmer nach jeder Aufgabe, wie glücklich sie sich gerade fühlten. So konnten sie vergleichen, welchen Unterschied es machte, ob jemand einmal oder zehnmal lächelte, mit oder ohne finanziellen Druck und beim Betrachten schöner oder unangenehmer Bilder.

Bei den unangenehmen Bildern half ein einzelnes bewusstes Lächeln tatsächlich ein wenig: Die Teilnehmer fühlten sich danach etwas glücklicher als diejenigen, die ihren Gesichtsausdruck nicht steuerten. Das galt sogar, wenn ihnen ein Geldabzug angedroht worden war. Sollten sie dagegen zehnmal lächeln, fiel der positive Effekt schwächer aus. Kam noch die Androhung eines Geldabzugs hinzu, blieb von der stimmungsaufhellenden Wirkung praktisch nichts mehr übrig.

Bei den angenehmen Bildern sah es anders aus. Ein einzelnes bewusstes Lächeln ohne Strafandrohung machte hier kaum einen Unterschied. Mussten die Teilnehmer dagegen wiederholt oder unter finanziellem Druck lächeln, fühlten sie sich hinterher sogar weniger glücklich als diejenigen, die ihren Gesichtsausdruck nicht steuern mussten.

Weitere Auswertungen deuteten darauf hin, dass das erzwungene Lächeln unter diesen Bedingungen auch Gereiztheit und Ärger verstärkte.

Was bedeutet das für den Alltag?

Die Befunde lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Berufsalltag übertragen. Die Teilnehmer saßen zu Hause vor dem Bildschirm und betrachteten Bilder. Sie mussten weder mit unfreundlichen Kunden umgehen noch stundenlang gute Laune vortäuschen. Auch die angedrohte Geldstrafe war nicht echt: Alle bekamen am Ende ihre volle Vergütung. Zudem erfassten die Forscher nur, wie sich die Teilnehmer unmittelbar nach den Aufgaben fühlten. Ob sich häufiges erzwungenes Lächeln über Wochen oder Monate auf die Stimmung auswirkt, lässt sich daraus nicht ablesen.

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