„Todesangst“
Stiefmutter sagt aus: Block-Kinder leiden nach Entführung
19.11.2025 – 15:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Stiefmutter der entführten Block-Kinder berichtet vor Gericht über traumatische Folgen. Die Geschwister haben nach der Rückkehr nach Dänemark sogar neue Namen angenommen.
Die Stiefmutter der entführten Kinder von Christina Block hat am Mittwoch vor dem Hamburger Landgericht über die psychischen Folgen der Entführung berichtet. Die 39-jährige Dänin Astrid Have schilderte als Zeugin, wie die Kinder bis heute unter Ängsten und Alpträumen leiden.
Christina Block, Tochter des Gründers der Steakhouse-Kette „Block House“, steht wegen des Vorwurfs vor Gericht, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in der Silvesternacht 2023/24 beauftragt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, eine israelische Sicherheitsfirma engagiert zu haben, die den damals zehnjährigen Jungen und seine 13-jährige Schwester gewaltsam von ihrem Vater Stephan Hensel entführte. Block bestreitet die Vorwürfe.
„Wir als Familie waren schockiert über die Erlebnisse“, sagte Have, die seit 2020 mit Hensel verheiratet ist und sich nach eigenen Angaben um die fünf Kinder der Patchwork-Familie in Dänemark kümmert. Das Mädchen habe ihr erzählt, sie habe während der Entführung nach Deutschland „Todesangst“ gehabt.
Die Stiefmutter berichtete, den Geschwistern sei Klebeband über Mund und Kopf gewickelt worden. Im Auto hätten die Entführer wiederholt ihre Köpfe nach unten gedrückt. Die 13-Jährige habe davon Nackenschmerzen bekommen. Im Wald an der Grenze habe ein Mann ihr eine Kette vom Hals gerissen.
Der zehnjährige Junge trug während der Entführung einen Alarmknopf der dänischen Polizei. Die Aufnahmen dieses Geräts spielte das Gericht am vergangenen Verhandlungstag vor. Die Aufnahmen mit unterdrückten Schreien, Wimmern und Männerstimmen lösten Betroffenheit im Gerichtssaal aus.
Nach drei Tagen bei ihrer Mutter in Hamburg kehrten die Kinder aufgrund einer Gerichtsentscheidung nach Dänemark zurück. Beim Wiedersehen auf einer Hamburger Polizeiwache habe die 13-Jährige noch Klebestreifen an der Hand gehabt. Have erinnert sich an das erste Treffen: „Sie sind uns in die Arme gesprungen. Das war sehr emotional.“
Nach der Rückkehr hätten die Geschwister und die drei weiteren Kinder im Haushalt große Angst gehabt. Wochenlang seien sie nicht aus dem Haus gegangen. Die Kinder gingen erst ab Ende April 2024 nach mehrfachen Umzügen wieder zur Schule. Der Junge und seine Schwester hätten neue Namen angenommen und diese vor der Einschulung geübt.
Die Verteidigung beantragte die Aussetzung des Verfahrens, um die 229 Seiten lange Aussage des Chefs einer israelischen Sicherheitsfirma auswerten zu können. Die Vorsitzende Richterin erklärte, die Entscheidung werde zu einem späteren Zeitpunkt getroffen. Der Prozess mit sieben Angeklagten könnte noch bis Juni dauern.
Im Sommer 2021 hatte Hensel die Kinder nach einem Wochenendbesuch nicht wie vereinbart nach Deutschland zurückgebracht. Die Staatsanwaltschaft erhob 2023 Anklage gegen ihn wegen Kindesentziehung und gegen Have wegen Beihilfe. Eine Entscheidung über die Eröffnung dieses Hauptverfahrens steht noch aus.
