Franz Beckenbauer (†78) hatte sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die einstige Lichtgestalt des Fußballs lebte vor seinem Tod ein Schattendasein.
Beckenbauer ließ sich allerdings schweren Herzens von seiner Ehefrau Heidi entschuldigen. „Franz kann aus gesundheitlichen Gründen leider nicht dabei sein. Es wäre einfach zu viel für ihn“, sagte sie. Und so mussten die WM-Helden von 1990 im Luxushotel „Das Achental“ in Grassau am Chiemsee ohne Beckenbauer in Erinnerungen schwelgen.
Dass das auch in Zukunft so bleiben wird, ist nun traurige Gewissheit. Es wird kein Weltmeistertreffen mehr gemeinsam mit Beckenbauer geben. Die Fußball-Legende starb am Sonntag im Alter von 78 Jahren, wie seine Familie am Montag bestätigte.
Aus der Öffentlichkeit hatte sich Beckenbauer schon seit Jahren nahezu komplett zurückgezogen. Eine große Ausnahme gab es noch im Januar 2023 als Beckenbauer erstmals nach der Corona-Pandemie wieder an eine Tradition anknüpfte und zum Karpfenessen in einem Hotel in Kitzbühel (Österreich) einlud. Dort präsentierte er sich mit Sohn Joel und Ehefrau Heidi. (Mehr zu Beckenbauers letztem öffentlichem Auftritt lesen Sie hier.)
Auch seine Stadionbesuche wurden immer seltener. Sein allerletzter liegt bereits anderthalb Jahre zurück, als er im August 2022 auf der Tribüne gesichtet wurde. Beckenbauer weilte nicht etwa beim Topspiel des FC Bayern gegen Borussia Mönchengladbach (1:1) in der Münchner Arena – wo er zuletzt im März 2021 bei der Partie gegen Stuttgart (4:0) zu Gast war.
Stattdessen schaute er beim Heimspiel von 1899 Hoffenheim gegen den FC Augsburg (1:0) vorbei. Beckenbauer, der als Freund und Vertrauter von Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp galt, verfolgte die Partie in einer VIP-Loge an der Seite seines Sohnes Joel und präsentierte sich dort mit Sonnenbrille und weißem Bart.
Von der Lichtgestalt ins Schattendasein
Er wirkte auffällig schlank und hager, wie schon bei seinen bereits zuvor sehr seltenen gewordenen öffentlichen Auftritten. Die Zeiten, in denen der „Kaiser“ noch als Organisationschef der Heim-Weltmeisterschaft 2006 mit dem Helikopter durchs gesamte Fußballreich wirbelte und nicht selten am selben Tag gleich in mehreren Stadien gesichtet wurde, waren schon längst Geschichte.
Die dunklen Schatten, die sich über dem vermeintlichen Sommermärchen ausbreiteten, hatten bekanntlich auch seine Strahlkraft erfasst. (Mehr zu den Vorwürfen an Beckenbauer im Zusammenhang mit der WM 2006 lesen Sie hier.) Die einstige Lichtgestalt des deutschen Fußballs führte vor seinem Tod ein Schattendasein. Er lebte nicht mehr in Kitzbühel, sondern zurückgezogen in Salzburg. Kommentare des früher noch omnipräsenten Cheferklärers der Fußballnation waren eine Rarität geworden.
Das Feuer der Begeisterung für seinen FC Bayern, den er als Spieler, Trainer und Präsident wie kein anderer geprägt hat, loderte aber noch immer in ihm. So war es auch kein Zufall, dass sich der Ehrenpräsident des Klubs ausgerechnet durch den furiosen Start der Münchner in der vergangenen Saison doch mal wieder aus seiner Abgeschiedenheit locken ließ.
Als die „Bild“ ihn unmittelbar nach dem 6:1 der Bayern in Frankfurt mit einem Anruf überraschte, sagte er: „So eine Lust, so eine Leistung habe ich lange nicht gesehen. Die Erfolge mit Lewandowski sind die Vergangenheit, diese Mannschaft ist die Zukunft.“ Für einen kurzen Moment war da mal wieder der alte Beckenbauer zu erahnen, dessen Wort in Fußballdeutschland noch vor nicht allzu langer Zeit das höchstmögliche Gewicht hatte.
Beckenbauer trifft die Frauen-Nationalmannschaft
Sobald er doch mal wieder irgendwo erschien, stand er sofort unweigerlich im Mittelpunkt. Das war auch zu beobachten, als er Anfang Juni 2022 mehr oder weniger zufällig in Herzogenaurach im EM-Vorbereitungscamp der deutschen Frauen-Nationalmannschaft auftauchte.
