Bei „Hells Angels“-Razzia
Polizist und Stadt-Mitarbeiter im Visier
Aktualisiert am 30.09.2026 – 16:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Einen solchen Großeinsatz gegen die Hells Angels hat es wohl noch nie gegeben: Es geht um Erpressung, Geldwäsche und Körperverletzung.
Unter Leitung der Duisburger Polizei sind Hunderte Einsatzkräfte seit dem frühen Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen sowie in Belgien, Bulgarien und den Niederlanden im Einsatz gewesen. Im Fokus stehen Kriminelle der Hells Angels, wie die Deutsche Presse-Agentur und „Bild“-Zeitung berichten. In der Meldung der Duisburger Polizei fällt der Name der Rockergruppe nicht, es ist lediglich von einer „koordinierten Aktion gegen kriminelle Vereinigungen im Bereich der Organisierten Kriminalität“ die Rede.
Den Beamten zufolge liegt der Schwerpunkt des Einsatzes in Duisburg. Insgesamt richte sich das Verfahren gegen 71 Beschuldigte, darunter „hochrangige Mitglieder einer Rockergruppierung“. Ihnen werde die Bildung einer kriminellen Vereinigung, räuberische und gewerbsmäßige Erpressung, banden- und gewerbsmäßiger Betrug sowie gewerbsmäßige Geldwäsche vorgeworfen. Außerdem sollen sie für Waffenverstöße, Körperverletzungen und Steuerhinterziehung verantwortlich sein.

Bei den Ermittlungen gerieten auch ein Polizist und zwei städtische Mitarbeiter aus Duisburg ins Visier: Gegen sie wird laut Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts ermittelt, dass sie dienstlich erlangte Informationen an Dritte weitergegeben haben, wie zuerst der WDR berichtete. Zudem wird laut Staatsanwaltschaft gegen einen weiteren städtischen Mitarbeiter aus Duisburg wegen des Verdachts der Bestechlichkeit „aufgrund der Annahme von Geldzahlungen für die Gewährung von Vorteilen“ ermittelt.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul bezeichnete die Razzia als den „größten Schlag gegen die Organisierte Kriminalität seit mehreren Jahren“. „Mehr als 1.000 Einsatzkräfte, mehrere Länder, rund mehrere Millionen Euro gesichert. Das ist eine Hausnummer“, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.
Hinter der organisierten Kriminalität stecke ein Geflecht aus Firmen und Immobilien, „das schmutziges Geld sauber aussehen lässt. Genau dieses System nehmen wir auseinander.“
Razzia: Ermittler frieren 48,6 Millionen Euro ein
Laut Ermittlern werden 100 Objekte durchsucht, 14 Haftbefehle vollstreckt und Vermögen in einer Gesamthöhe von 48,6 Millionen Euro eingefroren. Auch Spezialeinheiten seien beteiligt. Ein dpa-Reporter berichtete etwa von einem großen Einsatz des Spezialeinsatzkommandos (SEK) an der Adresse eines einflussreichen Rockers in Duisburg. Parallel dazu finden den Angaben zufolge Durchsuchungen von sechs Objekten in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Berlin und Bayern sowie von sieben Objekten in Belgien, Bulgarien und den Niederlanden in eigener Zuständigkeit statt.
Der „Bild“-Zeitung zufolge soll eine Schießerei auf einem Duisburger Marktplatz im Mai 2022 der Ausgangspunkt der Ermittlungen gewesen sein. Damals hatten Rocker und türkisch-libanesische Clan-Kriminelle aufeinander geschossen. Kugeln schlugen in Autos und Geschäfte ein, vier Männer wurden schwer verletzt.