„Versorgungslage sehr angespannt“

Schweiz prüft strenges Tempolimit auf Autobahnen


27.10.2026 – 11:03 UhrLesedauer: 2 Min.

Verkehr auf einer Schweizer Autobahn: In der Regel gelten 120 Kilometer pro Stunde als Tempolimit. (Quelle: IMAGO/Anton Geisser/imago)

Die Schweiz bereitet sich auf eine mögliche Verschärfung der Treibstofflage vor. Eine Maßnahme könnte Autofahrer direkt treffen.

In der Schweiz könnte es auf Autobahnen demnächst vorübergehend eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit gelten. Wegen der angespannten Versorgungslage mit Mineralölprodukten bereitet das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung offenbar eine mögliche Absenkung der Höchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde vor. Das berichten unter anderem „blick.ch“ und die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Recherchen der „Schweiz am Wochenende“.

Laut den Berichten geht es um eine Vorbereitung für den Fall einer schweren Treibstoffknappheit. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung bestätigte demnach, dass es dazu eine verwaltungsinterne Konsultation gegeben habe.

Infotafel in der Schweiz. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/Markus Keller/imago)

Diese Tempolimits gelten in der Schweiz

In der Schweiz gelten je nach Straßentyp unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten: Autobahnen: 120 km/h Autostraßen: 100 km/h Haupt- und Nebenstraßen außerorts: 80 km/h Innerorts: 50 km/h.

Versorgungslage ist angespannt

Im aktuellen Lagebericht der Schweizer Wirtschaftlichen Landesversorgung heißt es, die Energieversorgung sei grundsätzlich sichergestellt. Bei einzelnen Produkten ist die Lage aber deutlich angespannter. Besonders betroffen sind demnach Diesel („Versorgungslage sehr angespannt“) und Kerosin („Versorgung gefährdet“).

Für Kerosin wurden bereits Bezüge aus den Pflichtlagern bewilligt. Gemeint sind staatlich vorgeschriebene Notreserven, die in Krisenfällen freigegeben werden können. Auch bei Diesel wurden nach Medienberichten erneut Reserven freigegeben, um Lieferengpässe abzufedern. Die Schweizer Behörden sprechen dabei nicht von einem drohenden vollständigen Ausfall der Versorgung. Eher geht es um ein Zusammenspiel mehrerer Probleme, die den Nachschub erschweren.

Der Rhein wird zum Problem

Ein wesentlicher Faktor ist der niedrige Wasserstand des Rheins. Der Fluss ist für die Schweiz ein wichtiger Transportweg, auch für Mineralölprodukte. Laut Lagebericht können Schiffe wegen des Niedrigwassers nur noch mit stark reduzierter Ladung oder teilweise gar nicht verkehren.

Das lässt sich nur begrenzt auffangen. Transporte über Straße und Schiene können zwar einen Teil übernehmen. Doch auch dort gibt es Engpässe, Verzögerungen und Einschränkungen. Der Lagebericht verweist unter anderem auf Baustellen, Störungen und Kapazitätsgrenzen im internationalen Bahnverkehr.

Hinzu kam im September ein Ausfall der Raffinerie Cressier im Kanton Neuenburg. Die einzige Erdölraffinerie der Schweiz war wegen eines technischen Defekts rund zwei Wochen außer Betrieb. Auch das belastete die Versorgung.

Auch internationale Lieferwege spielen eine Rolle

Laut der „Süddeutschen Zeitung“ wirken sich zudem internationale Unsicherheiten auf die Versorgung und die Preise aus. Dazu zählen die Lage im Nahen Osten und höhere Kosten auf den Märkten. In der Schweiz sind Benzin und Diesel zuletzt deutlich teurer geworden.

Tankrabatte oder Preisdeckel, wie sie in anderen Ländern zeitweise diskutiert oder eingeführt wurden, sind in der Schweiz nicht in der Diskussion. Stattdessen richtet sich der Blick offenbar stärker auf mögliche Sparmaßnahmen, falls sich die Lage weiter verschärft.

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