Insider berichten

Warum Teslas Ex-Mitarbeiter den Robotaxis nicht trauen

Aktualisiert am 29.05.2026 – 15:32 UhrLesedauer: 4 Min.

Robotaxi von Tesla: Seine Entwickler werben mit hoher Sicherheit – doch das bezweifeln Ex-Mitarbeiter. (Quelle: IMAGO/Bob Daemmrich/imago)

Teslas Robotaxis sollen zehnmal sicherer sein als menschliche Fahrer. Doch Insider und unabhängige Wissenschaftler zweifeln massiv an dieser Zahl.

Tesla-Chef Elon Musk verspricht den Nutzern seines Fahrerassistenzsystems FSD (Full Self Driving, vollständiges selbstständiges Fahren), dass ihre Autos in Zukunft ganz alleine fahren können. Doch aus Gesprächen mit ehemaligen Mitarbeitern, die das System trainiert und dazu unzählige Unfälle analysiert haben, geht hervor, dass es bis dahin wohl noch ein weiter Weg ist.

Hunde, Katzen und Rehe überfahren

In einem Büro in Utah sind Hunderte Tesla-Mitarbeiter damit beschäftigt, Videos von Unfällen oder kritischen Fahrsituationen zu analysieren, zu bewerten und Probleme an die Ingenieure weiterzuleiten.

Die Videos werden von den Kameras in den Autos aufgenommen. Die Nachrichtenagentur Reuters hat die Filme selbst nicht gesehen, aber genaue Beschreibungen erhalten. Demnach zeigen sie, wie Tesla-Fahrzeuge Hunde, Katzen und Rehe überfahren, häufig mit
überhöhter Geschwindigkeit, immer wieder, ohne vorher zu bremsen. Spielende Kinder auf der Straße seien zu sehen, die gerade so von einem Unfall verschont werden.

Standardsituationen, bei denen Autos Platz für Rettungswagen machen oder vor Schulbussen stehenbleiben müssen, seien immer noch ein Problem. Entsprechend kritisch äußern sich die Insider. Sieben der zehn für diesen Bericht befragten Tesla-Mitarbeiter gaben an, sie selbst würden sich nie in ein Tesla-Robotaxi setzen. „Wir haben sie alle scheitern gesehen“, sagte einer von ihnen.

Aufwendiges Training für erste Robotaxis

Musk wirbt für sein System damit, dass es deutlich sicherer sei als ein menschlicher Fahrer. Weil es zudem auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiere, kommt es seinen Worten nach ohne aufwendige Kartierung der Einsatzgebiete aus – anders als die Technik der Konkurrenz. So soll es zum einen nicht an bestimmte Einsatzgebiete gebunden und zum anderen deutlich preisgünstiger sein. Doch wenn man mit den Insidern spricht, zeichnet sich ein anderes Bild. Sie beschreiben aufwendige Vorbereitungen für die ersten Einsätze der Fahrzeuge.

Bevor die ersten Robotaxis in Austin im US-Bundesstaat Texas auf die Straßen gekommen seien, hätten Hunderte Stunden Sonderarbeit angestanden, erzählen vier der Ex-Beschäftigten. Zusätzliche Mitarbeiter seien eingestellt worden. Demnach kartierten sie das Gebiet und trainierten die Software für Gefahrensituationen. So sollte die Technologie als leistungsfähiger vorgestellt werden, als sie wirklich sei. Vier Monate vor Beginn der Tests sei das Einsatzgebiet gefilmt worden, um schwierige Stellen für die Autos herauszufiltern und die Fahrzeuge zu trainieren.

Lernkurve „wie am Aktienmarkt“

Zu Beginn habe sich das FSD noch erratisch verhalten,
sagten zwei der Ex-Mitarbeiter. Mit jedem Update hätten sich einige Fahrfunktionen verbessert, andere verschlechtert. Auf großen Bildschirmen im Büro in Utah würden Statistiken gezeigt, wie oft die Sicherheitsfahrer eingegriffen hätten. „Es ging aufwärts und abwärts, wie am Aktienmarkt“, sagte einer der ehemaligen Mitarbeiter.

Eine Verbesserung im Lauf der Zeit sei nicht zu erkennen gewesen. Mit einem derartig hohen Aufwand sei es nicht möglich, Robotaxis schnell in anderen Städten auf die Straße zu bringen, sagten die Insider. Tesla selbst antwortete nicht auf eine umfangreiche Anfrage von Reuters.

Auswertung: Teslas-Statistiken nur ein Marketing-Gag

Musk und andere Tesla-Führungskräfte werben damit, dass das FSD deutlich sicherer sei als ein Mensch am Steuer. Finanzchef Vaibhav Taneja sagte etwa bei einer Pressekonferenz im Juli 2025, das System sei zehnmal so sicher wie ein menschlicher Fahrer. Reuters hat die Methode von Tesla zur Ermittlung dieser Zahl untersucht und die Daten von elf Wissenschaftlern untersuchen lassen. Zehn der Experten kommen zu dem Schluss, dass die Sicherheitsstatistiken von Tesla eher ein Marketing-Gag sind und wenig über die tatsächliche Sicherheit der Systeme aussagen.

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