Die Grüne Jugend tagt in Leipzig – und rechnet mit der Bundespartei ab. Besonders das Verhalten der Parteispitze im Berliner Koalitionspoker sorgt für Unmut.

Henriette Held wirbelt mit den Armen. Sie wirkt aufgebracht, krempelt ihre Ärmel hoch. „Eine gerechte Gesellschaft, sie fällt nicht vom Himmel“, ruft die Chefin der Grünen Jugend. „Sie wird erkämpft. Und sie wird von unten erkämpft.“

Held steht auf der Bühne in einer Turnhalle in Leipzig. Sie redet davon, dass es Massenproteste brauche, „die über kurzfristige Mobilisierung hinausgehe“. In der Halle flammt immer wieder Applaus auf. Fast zeitgleich verständigen sich Linke, Grüne und SPD in Berlin auf Koalitionsverhandlungen. Eine Nachricht, die Held und den Rest der Parteijugend freuen dürfte.

Die Grüne Jugend hofft, dass Rot-Grün-Rot eine Blaupause für ein linkes Bündnis im Bund wird. Wenn es aller Bedenken zum Trotz in der Hauptstadt klappt, wäre es für die Parteijugend ein Argument für einen linken Kurs der Grünen. Für sie ist ein Bündnis mit der CDU, mit dem die Bundespartei liebäugelt, ein No-Go. Umso härter fällt die Kritik an der Parteispitze in Leipzig aus.

Die Jugendorganisation der Grünen ist dort auf dem Gelände einer Schule zu ihrem jährlichen Bundeskongress zusammengekommen, einige hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aus dem ganzen Land nach Sachsen gereist. Die Grüne Jugend fordert „veränderte“ politische Antworten auf den Erfolg der AfD. Das heißt für sie: eine dezidiert linke Politik.

Für die traditionell linke Jugendorganisation der Grünen ist das erst mal nicht ungewöhnlich. Doch es ist gerade in diesen Tagen auch eine Abrechnung mit dem Kurs der Bundesspitze um Felix Banaszak und Franziska Brantner. Vor allem deren Agieren bei der Regierungsbildung in Berlin stößt auf Kritik.

Banaszak soll mal „einen Gang runterschalten“

Die Wut auf die Bundespartei ist in der Turnhalle, in der zwischendurch Kartenspiele auf dem Fußboden gespielt werden, deutlich zu spüren. Ministerpräsidenten und Bundesvorsitzende sollten sich mit ihren eigenen Problemen beschäftigen, sagt Hannah Fuge, Landessprecherin der Grünen Jugend Berlin. Ein anderer Redner fordert, dass Parteichef Banaszak mal einen „Gang runterschalten“ solle. Und auch der Co-Chef der Grünen Jugend, Luis Bobga, sagt zu t-online: „Die Bundespartei sollte sich aus den Gesprächen in Berlin herauszuhalten.“ Es ist eine deutliche Ansage.

Felix Banaszak: Der Grünen-Chef wird in Leipzig scharf kritisiert. (Quelle: IMAGO/Jürgen Heinrich/imago)

Die Grüne Jugend beschließt an diesem Samstag einen Leitantrag, in dem es heißt: „Wir müssen linke Politik machen.“ Ein Redner, der „linke Politik“ durch „gute progressive“ Politik ersetzen will, scheitert deutlich. „Wir dürfen nicht versuchen, linker zu sein, als die Linken“, sagt der Antragssteller. Verhaltener Applaus. Es bleibt also dabei im Leitantrag: Linke Politik, bitte.

Die Bundespartei will sich an dieser Stelle nicht so deutlich festlegen wie die Parteijugend. Brantner und Banaszak antworten auf Fragen nach Koalitionsfragen gerne mit grüner „Eigenständigkeit“, man sei mit allen Demokraten koalitionsfähig. Häufig ist an der Spitze von „progressiver Mitte“ die Rede, was wolkig klingt und auch anschlussfähig an die konservativere Mitte sein soll. Doch die Gespräche über ein rot-grün-rotes Bündnis in Berlin haben ein neues Schlaglicht auf die Frage geworfen, wie links die Grünen eigentlich sein wollen.

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