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Nicht der richtige Trainer für die Bundesliga

wochentlich.deBy wochentlich.de12 Februar 2024Keine Kommentare4 Mins Read
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Nicht der richtige Trainer für die Bundesliga
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Tim Walter ist nach fast drei Jahren nicht mehr Trainer des HSV. Am Ende bleiben Ratlosigkeit und großer Dank.

Jetzt ist es also wirklich passiert, Tim Walter und der HSV haben sich getrennt. Die wieder einmal spektakuläre 3:4-Pleite gegen Hannover 96 am Freitagabend war der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Mehr Ergebnis und nicht nur Erlebnis, das war vor der Saison die Marschroute gewesen, die der 48-Jährige ausgegeben hatte. Am Anfang der Saison hat das gut geklappt: Zum Auftakt triumphierte der HSV mit 5:3 über Schalke 04, holte aus den ersten fünf Spielen 13 von 15 Punkten und setzte sich klar an die Tabellenspitze. Und das trotz des kurz zuvor unter extrem dramatischen Bedingungen verpassten Aufstiegs.

Aber dann: Bittere Pleiten in Elversberg und Osnabrück. Ein wildes 3:3 in Kaiserslautern. In Kiel holte der HSV ein 0:2 auf, um schließlich 2:4 zu verlieren. Nun drei Heimpleiten in Folge mit insgesamt zehn Gegentoren. Für den Aufstieg reicht das so nicht. Tim Walter war der wohl beste Trainer, den der HSV seit Langem hatte – er ist nur nicht mehr der richtige Übungsleiter für das große Ziel Bundesliga.

Der HSV macht wieder Spaß – dank Tim Walter

103 Spiele, 55 Siege, 218 Tore und 1,82 Punkte im Schnitt, so lautet die Bilanz am Ende. 956 Tage dauerte die Amtszeit, mehr schaffte zuletzt Frank Pagelsdorf (1997–2001) vor mehr als 20 Jahren. Tim Walter führte den HSV ins Pokalhalbfinale und zweimal in die Relegation.

Und er hat dem ehemaligen Bundesliga-Dino wieder ein Gesicht gegeben und mit dem „Walterball“ einen ganz eigenen Spielstil auf den Rasen gebracht. Leistungsträger wie Ludovit Reis oder Robert Glatzel sind seinetwegen in Hamburg geblieben. Nach turbulenten Jahren mit häufigen Trainerwechseln, Neuausrichtungen, einem Abstieg und lauter vierten Plätzen in Liga zwei war es Tim Walter, der gemeinsam mit Sportvorstand Jonas Boldt endlich für Beständigkeit und Geschlossenheit in einem unruhigen Umfeld sorgen konnte.

Man könne seine Jungs nackt über den Platz laufen lassen und wisse dennoch, dass der HSV spiele, sagte Walter einmal. Die „Rothosen“ sind wieder ein Verein geworden, der Spaß macht, mit dem sich Fans und Spieler stark identifizieren können.

Das Volksparkstadion ist quasi dauernd ausverkauft, zu Auswärtsspielen fahren bis zu 20.000 Menschen mit, und der HSV hat die Marke von 100.000 Mitgliedern geknackt. Nach so vielen Jahren ohne Aufstieg immer noch ein Top-Team in der zweiten Liga zu sein, ist nicht selbstverständlich. Tim Walter und seine mitreißende, emotionale Art – die nach außen hin gern einmal arrogant wirkt – haben daran einen großen Anteil.

Der HSV unter Tim Walter: Charakterstark, aber hinten vogelwild

Nur: Vom offensiv dominanten und defensiv stabilen „Walterball“ war nicht mehr viel übrig. Walter passte sein System, anders als Kritiker ihm vorwarfen, durchaus an – am Ende vielleicht sogar so sehr, dass es zum Verhängnis wurde. Wo der HSV anfangs noch die beste Abwehr der Liga hatte, gab es zuletzt viel zu viele individuelle Fehler und taktische Unsauberkeiten.

Es liegt natürlich auch in der Verantwortung der Profis, daran zu arbeiten – doch dem Trainer fehlten offenbar die Mittel, effektiv gegen die Schwächen des HSV anzugehen. Immer wieder aufzustehen und Charakterstärke zu zeigen, das reichte als Plan A nicht mehr aus. Stattdessen schlich sich immer öfter ein Gefühl von Ratlosigkeit ein. Es knirschte langsam auch hinter den Kulissen: Schon zu Weihnachten hatte es Gerüchte über eine Entlassung gegeben. Jetzt, kurz nach dem Ende der Wintertransferphase, fehlt den Bossen das Vertrauen in Tim Walter, den Aufstieg zu schaffen, endgültig – die Trennung ist daher alternativlos.

Der HSV braucht einen risikoarmen Impuls mit Aufstiegsgarantie

Allerdings: Eine komplette Neuausrichtung mitten in der Saison wäre riskant. Ein neuer Trainer, der von außen kommt, müsste ähnlich wie Tim Walter ticken und eine „Aufstiegsgarantie“ mitbringen.

Gut möglich, dass der neue Coach schon die Raute trägt: Co-Trainer Merlin Polzin gilt als Talent, ihm wird eine große taktische Expertise nachgesagt. Er kennt die Walter-Schule in- und auswendig und hat zuvor unter Daniel Thioune gelernt.

Er könnte einen neuen Impuls geben, ohne zugleich alles einzureißen, was Tim Walter aufgebaut hat. Dass das funktionieren kann, beweist seit einem Jahr ausgerechnet der Stadtnachbar St. Pauli mit Fabian Hürzeler – ausnahmsweise das große, weil bundesligareife Vorbild für den HSV.

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