Einfach erklärt
Warum die Rente nicht immer so stark steigt wie die Löhne
Aktualisiert am 14.06.2026 – 06:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Warum steigen Renten manchmal weniger stark als die Löhne? Eine Rolle spielt der Nachholfaktor. So funktioniert der Mechanismus.
Inhaltsverzeichnis
- Was ist der Nachholfaktor?
- Was bedeutet der Nachholfaktor für Rentner?
Jedes Jahr steigen die gesetzlichen Renten entsprechend der Rentenanpassungsformel. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle, einer davon ist der sogenannte Nachholfaktor. Doch welche Auswirkungen hat er für Rentner? t-online erklärt, wie der Nachholfaktor funktioniert.
Was ist der Nachholfaktor?
Der Nachholfaktor ist Teil der Rentenanpassungsformel. Er wirkt gemeinsam mit der Rentengarantie, die verhindert, dass gesetzliche Renten gekürzt werden.
Kommt es aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung eigentlich zu einer rechnerischen Rentenkürzung, greift die Rentengarantie. Die Renten bleiben dann stabil, obwohl sie eigentlich analog zu den Löhnen sinken müssten. Der Nachholfaktor sorgt dafür, dass diese ausgebliebene Kürzung später teilweise mit künftigen Rentenerhöhungen verrechnet wird. Dadurch sollen sich Renten und Löhne langfristig wieder im Gleichklang entwickeln.
Gut zu wissen
Die Rentenanpassungsfomel ist eine komplizierte Rechnung. Sie besteht noch aus weiteren Faktoren, etwa dem Riesterfaktor oder dem Nachhaltigkeitsfaktor.
Was bedeutet der Nachholfaktor für Rentner?
Der Nachholfaktor verrechnet die eigentlich nötige Senkung mit möglichen Erhöhungen in den kommenden Jahren, sodass diese geringer ausfallen – allerdings maximal bis zur Hälfte. Wenn der Ausgleichsbedarf noch nicht vollständig „abgebaut“ ist, wird er ins darauffolgende Jahr mitgenommen. Das gilt, bis die ausgebliebene Rentenkürzung vollständig ausgeglichen ist.
Seit 2022 ist der Nachholfaktor wieder aktiv. Er war zuvor mehrere Jahre ausgesetzt worden, um die sogenannten Haltelinien beim Rentenniveau und beim Beitragssatz nicht zu konterkarieren. Die Haltelinien sorgten dafür, dass das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent fällt und der Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigt. Beide liefen 2025 aus, die Haltelinie fürs Rentenniveau hat die Bundesregierung aber bis 2031 verlängert.
Dass der Nachholfaktor inzwischen trotz Haltelinie wieder gilt, dürfte auch damit zusammenhängen, dass er aktuell gar nicht benötigt wird. Denn die Löhne sind seit der Corona-Pandemie jedes Jahr gestiegen. Eine theoretische Rentenkürzung kommt derzeit also nicht vor. Grundsätzlich soll mit der Wiedereinführung des Nachholfaktors verhindert werden, dass Renten dauerhaft stärker steigen als die Löhne.
Bei seiner Wiedereinführung im Jahr 2022 führte der Nachholfaktor dazu, dass die Rentenerhöhung am 1. Juli 2022 für Rentner im Westen um rund 1,17 Prozentpunkte geringer ausfiel, als sie es aufgrund der Lohnsteigerungen hätte tun sollen. Denn 2021 hätten die West-Renten eigentlich in dieser Größenordnung gekürzt werden müssen. Da das wegen der Rentengarantie gesetzlich ausgeschlossen ist, fiel die Rentenanpassung im Westen aus. Die theoretisch nötige Kürzung wurde dann nachträglich mit der Rentenanpassung für 2022 verrechnet.
