Moderater Anstieg, aber: „Das ist relevant“

Für die Untersuchung analysierten die Fachleute um Jakob Manthey vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und Universitätsklinikum Leipzig Daten von mehr als 70.000 Krankenhausaufnahmen. Im Jahr nach dem Inkrafttreten wurden demnach 1.395 mehr erwachsene Menschen wegen Cannabis eingewiesen. Das seien 7 Prozent mehr als in einem Szenario ohne Legalisierung, schreiben die Forscher. Bei Jugendlichen waren es demnach 91 zusätzliche Einweisungen innerhalb eines Jahres, das seien 3,9 Prozent mehr.

Die Befunde ließen aufhorchen, meint der Psychiater Alkomiet Hasan von der Universität Augsburg, der nicht an der Studie beteiligt war. „Selbst ein moderater Anstieg, wie hier beschrieben, hat immense gesellschaftliche Konsequenzen.“ Über die Jahre hinweg könnten einige der Fälle in eine schwere psychische Erkrankung übergehen, etwa Schizophrenie, oder Suizide auslösen. „Das ist relevant.“

Wissenschaftler hatten schon vor der Teillegalisierung davor gewarnt, dass die Zahl der Psychosen steigen könne. „Wer an Psychosen leidet, hört oft Stimmen oder hat Wahngedanken“, hatte Stefan Gutwinski, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité, erklärt. „In der Regel sind diese Symptome sehr angstmachend.“

Mediziner fordert Konsequenzen

In der aktuellen Studie erklären die Autoren, dass es mehrere Faktoren geben könnte, die ihre Daten verzerren. Zum Beispiel könnten Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern durch die aktuelle Debatte häufiger danach fragen, ob jemand Cannabis konsumiert hat, und daraufhin die Diagnose stellen. Vielleicht suchten Menschen auch öfter Hilfe, da sie nicht mehr befürchten müssten, stigmatisiert zu werden.

„Selbst wenn wir diese in Betracht ziehen, kann dieser Sachverhalt nicht den gesamten Umfang der Zunahme erklären“, meint Hasan. Er hält den Zusammenhang mit medizinischem Cannabis für plausibel und fordert, aus der Nutzung von Medizinalcannabis für Freizeitzwecke nun die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Eine im April veröffentlichte Evaluation zu den Folgen des Cannabisgesetzes kam zu dem Schluss, dass es in Deutschland „den größten prinzipiell legal-kommerziellen Markt“ für medizinisches Cannabis in Europa gibt. 2025 seien 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal-kommerziell eingeführt worden. Im Vergleich zu 2024 sei das ein Einfuhrplus von 198 Prozent. Mittlerweile hat das Bundeskabinett strengere gesetzliche Regeln für den Zugang zu medizinischem Cannabis auf den Weg gebracht.

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