Forscher entdecken auffälliges Muster
Was die Mundflora über Magen- und Darmkrebs verrät
28.08.2026 – 18:22 UhrLesedauer: 2 Min.
Bestimmte Mundbakterien könnten Hinweise auf Magen- und Darmkrebs liefern. Forscher sehen darin Potenzial für einen einfachen Test.
Bakterien leben nicht nur auf der Haut und im Darm, sondern auch in großer Zahl in der Mundhöhle. Welche Arten dort vorkommen, kann sich bei Erkrankungen verändern. Wissenschaftler aus Südkorea haben nun untersucht, ob sich anhand der Mundflora auch Hinweise auf Krebs im Magen-Darm-Trakt finden lassen.
„Viele Mikrobenarten, die natürlicherweise im Mundraum vorkommen, kommen auch im Darm vor und können dort gedeihen“, erklärt Studienleiter Jihyun F. Kim. Obwohl ständig Mundkeime in den Verdauungstrakt gelangen, halten etwa Magensäure, das bereits im Darm ansässige Mikrobiom sowie das Immunsystem Mund- und Darmflora bei gesunden Menschen meist getrennt. Das habe die Forscher zu der Frage geführt, ob Mundbakterien bei Krebspatienten leichter im Magen-Darm-Trakt überleben und dort länger verbleiben können.
Verbindung zwischen Mund und Darm
Für die kürzlich in der Fachzeitschrift „Cell Host & Microbe“ veröffentlichte Studie analysierte das Team Mundspül- und Stuhlproben von 507 Menschen. Darunter waren 129 gesunde Personen, 215 Menschen mit Stoffwechselerkrankungen sowie 77 Patienten mit Magenkrebs und 86 mit Darmkrebs. Bei den Krebspatienten wurden die Proben jeweils vor Beginn ihrer Krebstherapie entnommen.
So wurde die Mundprobe genommen
Vor der Probenentnahme sollten die Teilnehmer für mindestens sechs Stunden nicht gegessen, geraucht oder ihre Zähne geputzt haben. Die Entnahme erfolgte morgens auf nüchternen Magen. Dafür spülten die Teilnehmer ihren Mund mit einer kleinen Menge Kochsalzlösung und gaben die Flüssigkeit anschließend in ein Probengefäß. In der Spüllösung konnten die Forscher die darin enthaltenen Bakterien untersuchen.
Die Wissenschaftler untersuchten, welche Bakterien beziehungsweise identische genetische Varianten sowohl im Mund als auch im Stuhl nachweisbar waren. Daraus entwickelten sie einen sogenannten Mouth-to-Feces-Index (auf Deutsch etwa „Mund-zu-Stuhl-Index“; MF-Index), der das Ausmaß dieser Übereinstimmungen beschreibt.
Bei Menschen mit Magen- oder Darmkrebs war der Wert deutlich höher als bei Gesunden. Bei Personen mit Stoffwechselerkrankungen zeigte sich dieser Effekt dagegen nicht. Auch nachdem Faktoren wie Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und Body-Mass-Index (BMI) berücksichtigt wurden, blieb der Zusammenhang bestehen.
Mundspülung könnte künftig genügen
Besonders interessant: In einigen Analysen reichten bereits Mundspülproben aus, um Krebspatienten von gesunden Personen zu unterscheiden. „Es war bemerkenswert, dass sich allein mit Proben aus dem Mundraum Informationen über eine Krebserkrankung gewinnen ließen“, sagt Studienautor Yong Chan Lee.
In einem kleinen Vergleich mit einem etablierten Verfahren zur Darmkrebsvorsorge, einem immunologischen Stuhltest auf verborgenes Blut (sogenannter iFOBT-Test), schnitt das Modell in puncto Sensitivität sogar besser ab. Dabei wurden allerdings nur 66 Personen untersucht – 28 davon mit Darmkrebs. Solche Ergebnisse lassen sich daher nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragen.
Noch kein Krebsschnelltest
Die Ergebnisse sind vielversprechend, reichen aber noch nicht aus, um Krebs zuverlässig mit einer Mundspülung nachzuweisen. Die Studie untersuchte vor allem Menschen, bei denen bereits bekannt war, dass sie Krebs hatten oder nicht.
