Nach Eklat in Einkaufszentrum

Protest gegen das Tabu: Mütter stillen offen in Berlin

09.07.2026 – 18:12 UhrLesedauer: 2 Min.

Eine Mutter mit ihrem Baby (Symbolbild): Nicht immer kann es mit dem Stillen bis zu Hause warten. (Quelle: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/dpa-bilder)

Ein Vorfall in einem Saarbrücker Einkaufszentrum hat eine Welle der Solidarität ausgelöst. Seitdem posten Frauen aus ganz Deutschland Fotos von sich beim Stillen an öffentlichen Orten – auch in Berlin.

Unter dem Hashtag #ichstillwoichwill posten Frauen aus ganz Deutschland Fotos von sich beim Stillen an öffentlichen Orten. Auslöser war ein Vorfall in einem Saarbrücker Einkaufszentrum, wo ein Sicherheitsdienst eine stillende Mutter aufforderte, damit aufzuhören.

Berichten zufolge entschuldigte sich der Betreiber des Einkaufszentrums später schriftlich bei der betroffenen Frau. Wenige Tage nach dem Vorfall versammelten sich Mütter in demselben Einkaufszentrum und ließen sich beim Stillen fotografieren. Inzwischen schließen sich Frauen in München, Berlin und anderen Städten an – mit stadteigenen Hashtags.

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So wird in der Hauptstadt etwa „#ichstillwoichwillberlin“ genutzt. Geposted wurde auf Instagram beispielsweise ein Bild von Frauen aus dem Hörsaal oder unter dem Berliner Fernsehturm.

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In Berlin ließen sich zudem rund 120 Frauen in der U-Bahn, in Museen, Bibliotheken und Supermärkten beim Stillen ablichten. Organisiert hat das Katharina Kokott, Gründerin des Mama Netzwerkes Berlin und selbst Mutter von zwei Kindern. „Es wird erwartet, dass Frauen Kinder bekommen und sich um sie sorgen“, sagt sie. „Aber sobald das sichtbar ist, wird es bewertet, kommentiert und verbannt von verschiedenen Orten. Das ist für mich ein Widerspruch.“

Passant in Berlin wütend

Kokott berichtet, dass viele Mütter sich beim Stillen in der Öffentlichkeit zwangsläufig unwohl fühlten. Sie selbst habe ihren älteren Sohn irgendwann nur noch zu Hause gestillt. Mal gebe es irritierte, mal lüsterne Blicke, manchmal auch einen bösen Kommentar. Auch während eines Foto-Shootings für die Kampagne in einem Berliner Museum habe sich eine Person aufgeregt und das als Erregung öffentlichen Ärgernisses bezeichnet. In den sozialen Medien habe es teils schockierende Reaktionen gegeben. Brüste seien ekelhaft, habe es dort zum Beispiel geheißen.

„Stillen ist etwas komplett Natürliches“, betont Kokott. Es gehe bei der Aktion nicht darum zu provozieren, sondern aufzuklären und Normalität zu schaffen. Zugleich helfe die Kampagne dabei, ein Netzwerk unter Frauen aufzubauen und sich gegenseitig zu stärken. Weitere Aktionen seien bereits geplant.

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