Nach Streit über Gedenken in Halle
Jüdische Studierende erhalten Morddrohungen
16.10.2026 – 16:01 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach dem Eklat bei einer Gedenkveranstaltung in Halle (Saale) sind jüdische Studierendenvertreter Drohungen ausgesetzt. Der Vorsitzende der JSUD übt auch Kritik an gleich mehreren Parteien.
Vertreter der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD) erhalten nach eigenen Angaben Drohungen, nachdem sie den AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider daran gehindert hatten, an einer Gedenkveranstaltung in der Haller Synagoge teilzunehmen. „Wir bekommen seit der Aktion vor der Synagoge in Halle deutlich mehr Anfeindungen und deutlich mehr Hass – bis hin zu Morddrohungen“, sagte der JSUD-Vorsitzende Ron Dekel dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Dekel verteidigte die Aktion vor knapp einer Woche am Tag des Gedenkens an den antisemitisch motivierten Anschlag auf die Synagoge vor sieben Jahren. „Rechtsextremisten haben in einer Synagoge nichts zu suchen. Denn es sind Menschen, die so einen Anschlag erst möglich gemacht haben mit ihrer Rhetorik. Sie gehören vor allem nicht vor die Augen von Überlebenden und Angehörigen von Opfern, wenn diese trauern wollen.“
Dekel: Antisemitismus-Vorwurf werde instrumentalisiert
Der Studierenden-Vertreter äußerte sich auch zur Antisemitismus-Debatte bei der Regierungsbildung in Berlin. „Wir als Jüdische Studierendenunion haben in den letzten drei Jahren selbst vornehmlich auf den linken Antisemitismus aufmerksam gemacht, der uns tagtäglich an den Universitäten begegnet. Dabei stellt auch die Linkspartei hier in Berlin eine erhebliche Gefahr für jüdisches Leben dar. Sie ist in Teilen antisemitisch.“ Er erwarte von den möglichen Koalitionspartnern SPD und Grünen, dass sie dies berücksichtigen.
Dekel betonte auch: „Es ist statistisch belegt, dass rechtsextremer Antisemitismus, wie wir ihn von der AfD erfahren, die größte Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland darstellt.“ Zugleich finde er es „falsch, dass alle Parteien versuchen, den Antisemitismus-Vorwurf für ihre jeweils eigenen politischen Zwecke zu instrumentalisieren“, sagte Dekel dem RND.
Die AfD wird in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuft. Sie gewann die Landtagswahl im September. Tillschneider, der Vizepräsident des neuen Landtags in Magdeburg ist, hatte nach der Aktion die Haltung der Studierenden scharf kritisiert und erklärt, er habe sich niemals gegen jüdisches Leben ausgesprochen. Er habe stets betont, „dass es eine jüdisch-deutsche Kultur gibt, die Teil unserer deutschen Kultur ist“.