Volkswagen am Wendepunkt
Der Schutzschild bricht weg
Aktualisiert am 29.10.2026 – 17:28 UhrLesedauer: 4 Min.
Volkswagen rutscht im dritten Quartal tief in die roten Zahlen. Eine Milliardenabschreibung erklärt den Verlust. Doch sie verdeckt das Problem.
Die neuen Unternehmenszahlen von Volkswagen offenbaren nicht nur einen historischen Einbruch – sie künden auch vom vorläufigen Ende eines Geschäftsmodells. Im dritten Quartal verbuchte der Konzern einen Verlust von 5,82 Milliarden Euro nach Steuern. Eine milliardenschwere Abschreibung auf Porsche drückt das Ergebnis tief ins Minus.
Diese Abschreibung erklärt einen großen Teil des Quartalsverlusts. Zugleich macht sie ein Dilemma sichtbar: Das Unternehmen kann sich nicht mehr so zuverlässig auf die hohen Erträge seiner Premiummarken verlassen. Ausgerechnet Porsche, lange eine wichtige Renditestütze des Konzerns, trägt inzwischen selbst zur Verschärfung der Krise bei.
Der Schutzschild zerbricht
Lange Zeit konnte Volkswagen gut damit leben, dass seine Marken unterschiedlich hohe Erträge erwirtschafteten. Die Kernmarke VW verkauft zwar große Stückzahlen, verdient pro Fahrzeug aber vergleichsweise wenig. Porsche und Audi erzielten mit teureren Modellen dagegen höhere Margen. Ihre Gewinne glichen die schwächere Profitabilität des Volumengeschäfts aus. Porsche war dabei eine besonders wichtige Ertragsstütze.
Dieser Puffer bietet inzwischen jedoch weniger Sicherheit. Porsche musste seine langfristigen Ertragserwartungen nach unten korrigieren. Damit sank auch der bilanzielle Wert des Geschäfts, den Volkswagen in seinen Büchern angesetzt hatte. Der Konzern schrieb deshalb 6,4 Milliarden Euro Firmenwert ab.
Die Abschreibung korrigiert eine Erwartung: Volkswagen rechnet bei Porsche künftig mit geringeren Erträgen als ursprünglich angenommen. Sie löst keinen unmittelbaren Geldabfluss aus, belastet aber das ausgewiesene Ergebnis erheblich. Hinzu kamen Wertberichtigungen auf Vermögenswerte in China sowie Belastungen im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Werks Osnabrück. Insgesamt beliefen sich die Sonderbelastungen im dritten Quartal auf 7,8 Milliarden Euro.
Mit dieser Summe lässt sich zwar ein großer Teil des Quartalsverlusts begründen. Nicht aber die gesamte Krise. Denn auch ohne Sonderbelastungen lag die operative Marge nach neun Monaten nur bei 3,8 Prozent. Volkswagen verdient somit zu wenig, um gleichzeitig kräftig in neue Modelle und Technik zu investieren und seine Kostenstruktur grundlegend zu verändern.
Porsche verliert an Kraft
Zwar erzielt Porsche weiterhin operative Gewinne. Doch die Ertragskraft der Sportwagenmarke steht unter Druck. Besonders deutlich zeigt sich das in China, wo Porsche über Jahre hinweg stark gewachsen ist. Die aktuelle wirtschaftliche Schwäche hält wohlhabende Kunden zurück. Gleichzeitig gewinnen chinesische Hersteller an Boden. So gingen Porsches Auslieferungen in China in den ersten neun Monaten um rund ein Drittel zurück. Mittelfristig könnte der Markt weniger als zehn Prozent zum weltweiten Absatz beitragen; 2020 waren es noch rund 35 Prozent.
Auch der Übergang zum Elektroauto ist anspruchsvoll. Porsche hat den Macan in den westlichen Märkten auf reinen Elektroantrieb umgestellt und die Verbrennerversion dort abgelöst. Das Elektromodell muss einen Teil des Absatzes ersetzen, den der frühere Verbrenner erzielt hat. Zugleich kämpft der elektrische Taycan mit schwächerer Nachfrage, ein neuer Macan kommt erst 2028.
