Außenminister Johann Wadephul reist nach Bayern und in die Schweiz. Dabei zeigt sich: Der Wahlerfolg der AfD setzt nicht nur den Kanzler und seine Regierung, sondern auch den außenpolitischen Kurs Berlins unter Druck.

Patrick Diekmann berichtet aus München und Genf

Manchmal braucht es gar nicht viele Worte, um politisch ein Zeichen zu setzen. Oft reicht es für einen Politiker, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Nachdem Johann Wadephul am Dienstagmorgen in München eingetroffen ist, fährt er zunächst zur Israelitischen Kultusgemeinde, zu einem Treffen mit Charlotte Knobloch.

Die Holocaust-Überlebende wartet auf dem Sankt-Jakobs-Platz, ihre Hände ineinander gefaltet. Es ist 9.15 Uhr, blauer Himmel, die Sonne scheint in der bayerischen Landeshauptstadt. Knobloch lächelt, begrüßt die Delegation des Außenministers. Nur das Sicherheitspersonal hinter ihr lässt erahnen, wie hoch die Bedrohungslage für die 93-Jährige ist.

Knobloch hatte nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt Flagge gezeigt. „Dass Rechtsextreme in Deutschland in dieser Art wieder Wahlen gewinnen, das hätte ich mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können“, erklärte die Vorkämpferin gegen Antisemitismus und frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. „Ich sage ganz offen: Das macht mir Angst.“ Daraufhin wurde auf einer Parkbank und in einem Mülleimer in München eine Morddrohung gegen sie entdeckt.

Wadephul wird später bei einer Pressekonferenz in München sagen: Das Gespräch mit Knobloch habe ihn „tief bewegt“ und jüdisches Leben in Deutschland dürfe nie wieder bedroht werden. Danach wird er noch das Denkmal für Hans und Sophie Scholl besuchen, die in der studentischen Gruppe „Weiße Rose“ Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten.

Symbolik spielt eine große Rolle bei Wadephuls Besuchen in München und danach in der Schweiz. Es ist eine Reise, bei der es darum geht, zu zeigen, wie wehrhaft Deutschland ist – in Zeiten von Rechtsextremismus und äußeren Feinden. Und wie wichtig dabei internationale Zusammenarbeit ist. Das Problem ist nur: Der Wahlerfolg der AfD in Deutschland setzt nicht bloß den Kanzler und seine Regierung, sondern auch den außenpolitischen Kurs der Bundesregierung unter Druck.

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