Union in der Krise
„Es hilft doch nichts, aufs eigene Auto einzuschlagen“
18.05.2026 – 17:43 UhrLesedauer: 5 Min.
Die Union rutscht hinter die AfD, in vielen Umfragen deutlich. Der Kanzler hat selbst in den eigenen Reihen einen schweren Stand. Helfen soll die Flucht nach vorn.
Kein Einlass mehr, schon zu voll drinnen, sagt der Türsteher. Die Schlange vor dem Eingang zur Bühne fünf um kurz vor 12 Uhr: locker 30 Meter lang. Bereits vor einer Stunde, berichtet ein junger Besucher der Digitalmesse Republica genervt, sei nichts mehr gegangen. Dabei tritt die, für die alle anstehen, erst um 13 Uhr auf: Angela Merkel, Altkanzlerin und CDU-Mitglied. Das muss man in diesen Zeiten vielleicht dazusagen.
Merkel füllt sie noch, die großen Säle. Applaus brandet auf, als sie schließlich die Bühne betritt. So etwas wie wohlwollende Wärme macht sich im Publikum breit. Sie lächelt, lässt sich Wasser einschenken, prostet dem Publikum zu, macht ein Witzchen, alles lacht. Wenn es im Volk eine Merkel-Sehnsucht gibt, hier ist sie zu greifen. Vielleicht aber ist es auch mehr, die Sehnsucht nach einer Zeit, in der das Land, Europa, die Welt stabiler war. Und auch das politische System in Deutschland nicht so wackelig wie heute.
Ihr Nach-Nachfolger, Friedrich Merz, bekommt das gerade zu spüren. Sehnsucht löst er gerade nicht mal bei seinen eigenen Leuten aus. Buhrufe und Pfiffe ersetzen bei manchem Auftritt den Applaus. Die Union liegt in diesen Wochen bei allen Umfrageinstituten hinter der AfD. Mindestens mit einem Prozentpunkt, teils auch mit fünf, sechs oder gar sieben Punkten.
In der CDU löst die Entwicklung seit Wochen nicht mehr nur Enttäuschung und Wut aus, sondern auch etwas, das für eine Partei viel schlimmer ist: Fatalismus. Der Kanzler selbst wird von einigen mittlerweile als Problem gesehen. Wie kommt die Union da wieder raus?
Weiter, immer weiter
Ortswechsel, knapp zwei Kilometer nordwestlich, Konrad-Adenauer-Haus. Während Merkel bei der Republica gerade über Europa spricht, tritt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann nach der Vorstandssitzung der CDU vor die Presse. Der Mann, der mit Kanzler und Parteichef Friedrich Merz maßgeblich die CDU führt.
Wie also geht es wieder aufwärts für die CDU? Oder andersrum, wie ein Journalist fragt: Teilt Linnemann die Sorge von CSU-Chef Markus Söder, der angesichts der Stärke der AfD am Wochenende vor Weimarer Verhältnissen warnte, der Krise und dem Ende der Demokratie? Söder habe deutlich machen wollen, dass die Umfragewerte ihn besorgen. „Das teile ich“, sagt Linnemann. „Trotzdem sind wir in der Pflicht, nicht auf andere zu zeigen, sondern uns mit der AfD inhaltlich auseinanderzusetzen.“
