Lebenserwartung weltweit
Menschen leben länger – aber nicht bei bester Gesundheit
Aktualisiert am 24.07.2026 – 12:30 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Menschen werden weltweit immer älter. Doch die zusätzlichen Lebensjahre verbringen sie häufig nicht gesund, wie eine internationale Studie zeigt.
Die Lebenserwartung ist in den vergangenen Jahrzehnten weltweit deutlich gestiegen. Gleichzeitig wächst jedoch die Lücke zwischen der Gesamtlebenszeit und den Jahren, die Menschen ohne größere gesundheitliche Einschränkungen verbringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die kürzlich im Fachjournal „The Lancet Public Health“ veröffentlicht wurde.
Was wurde untersucht?
Für die Studie wertete das Forschungsteam Daten aus 204 Ländern und Regionen zur Lebenserwartung sowie zur sogenannten Gesundheitsspanne aus – also den Jahren, die Menschen ohne größere gesundheitliche Beeinträchtigungen verbringen. Die Ergebnisse basieren auf Modellrechnungen der Global-Burden-of-Disease-Studie, in die zahlreiche Gesundheitsdaten aus diesen Ländern und Regionen eingeflossen sind. Wie bei solchen Analysen üblich, handelt es sich daher um Schätzungen.
Den Berechnungen zufolge beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung von Menschen, die 1990 zur Welt kamen, 64,6 Jahre. Für im Jahr 2023 Geborene liegt sie bei 73,8 Jahren – ein Plus von fast zehn Jahren. Die Gesundheitsspanne stieg im selben Zeitraum ebenfalls, allerdings nur von 55,9 auf 63,1 Jahre, also um 7,2 Jahre.
Die zusätzlichen Lebensjahre wurden demnach nicht vollständig in guter Gesundheit verbracht. Im Durchschnitt verbrachten Menschen 1990 noch 8,8 Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen – das entsprach 13,6 Prozent ihrer Lebenszeit. 2023 waren es fast zwei Jahre mehr, nämlich bereits 10,7 Jahre beziehungsweise 14,5 Prozent des Lebens.
„Fortschritte beim gesunden Altern sollten sich nicht nur an der Lebensspanne messen, sondern auch an der Gesundheitsspanne“, stellt Studienleiter Murray heraus.
Die Lücke nimmt zu
Die sogenannte Morbiditätslücke – also die Differenz zwischen Lebenserwartung und den gesunden Lebensjahren – war vor allem in jenen Ländern groß, wo Menschen lange lebten. Während sie in den USA 14 Jahre betrug, lag sie in Australien bei 13,9 Jahren und in Kanada bei 13,7 Jahren. In Afrika südlich der Sahara waren es dagegen nur 9 Jahre.
Auch in Deutschland nahm die Lücke zwischen Lebens- und Gesundheitsspanne zu: Während die Lebenserwartung von 75,6 auf 80,9 Jahre stieg, wuchs die Zeit mit gesundheitlichen Einschränkungen von durchschnittlich 10,1 auf 11,9 Jahre.
Mit zunehmender Lebenserwartung verbringen Menschen den Berechnungen zufolge also auch mehr Jahre mit gesundheitlichen Einschränkungen – das gilt insbesondere für Frauen: Weltweit betrug deren Lücke 2023 durchschnittlich 12,1 Jahre, bei Männern waren es 9,3 Jahre.
„Frauen leben fast überall auf der Welt länger als Männer, aber sie verbringen mehr dieser zusätzlichen Jahre bei schlechter Gesundheit“, stellt Co-Autorin Catherine Bisignano fest und betont: „Um gesundes Altern zu fördern, müssen wir uns stärker auf die Erkrankungen und Risikofaktoren konzentrieren, die zu Jahren mit gesundheitlichen Einschränkungen führen. Genau solche Faktoren identifizierte das Forschungsteam auch in seiner Analyse.“
Viele Gesundheitsprobleme wären vermeidbar
Besonders starken Einfluss auf die Morbiditätslücke hatten der Studie zufolge Probleme mit dem Bewegungsapparat, insbesondere Schmerzen im unteren Rücken, sowie psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angsterkrankungen. Viele gesundheitliche Einschränkungen ließen sich jedoch vermutlich zumindest teilweise verhindern oder hinauszögern.
Als wichtige Risikofaktoren nennen die Autoren unter anderem hohe Blutzuckerwerte, Übergewicht, Rauchen und – je nach Weltregion – Mangelernährung. Aus ihrer Sicht sollte das Ziel deshalb künftig nicht nur sein, die Lebenserwartung weiter zu erhöhen, sondern möglichst auch die Zahl der gesunden Lebensjahre.
