Wir ordnen sachlich ein, was passieren könnte. Das ist unsere publizistische Aufgabe. Eine Demokratie lebt von aufgeklärten Wählerinnen und Wählern. Gleichzeitig müssen wir eine ausgewogene und qualitativ hochwertige Wahlberichterstattung gewährleisten. Und ich kann Ihnen versichern: Genau das tun wir.

Obwohl die AfD Ihren Sender abschaffen will?

Auch dann. Das ist unser Job.

Und obwohl MDR-Journalisten von der AfD zum Feindbild gemacht werden?

Wenn bei einzelnen Wahlveranstaltungen Bilder von Kolleginnen und Kollegen des MDR hochgehalten werden und diese Menschen vor Publikum als Feindbild dargestellt werden, macht das etwas mit ihnen. Das sind Methoden, die wir aufs Schärfste verurteilen.

Was macht das mit den Kolleginnen und Kollegen?

Einige haben großes Unbehagen, rauszugehen. Das Thema begleitet uns schon seit geraumer Zeit. Bei Pegida-Demonstrationen wurden Journalisten „Lügenpresse“-Aufkleber auf den Rücken geklebt, es gab tätliche Angriffe. Das hat sich fortgesetzt.

Was haben Sie dagegen unternommen?

Wir haben bei entsprechenden Demonstrationen und Veranstaltungen mittlerweile zum Beispiel einen Sicherheitsdienst dabei, damit unsere Teams professionell arbeiten können.

Weil sie körperlich angegriffen werden?

Ja. Das führt zu teils gefährlichen Übergriffen. Trotzdem können wir nicht sagen: Dann berichten wir eben nicht mehr. Es ist unsere Aufgabe, dort hinzugehen. Wenn unsere Leute körperlich an der Arbeit gehindert werden, müssen wir sie schützen.



Eigene Gefühle oder Befürchtungen dürfen nicht die Berichterstattung beeinflussen. Ein Arzt kann sich auch nicht aussuchen, welche Patienten er behandelt.


ralf ludwig


Wie soll ein Journalist, der auf einer AfD-Veranstaltung als Feindbild präsentiert oder körperlich attackiert wurde, am nächsten Morgen noch neutral über diese Partei berichten?

Das ist schwierig. Natürlich thematisieren wir das intern. Wir müssen professionell damit umgehen. Eigene Gefühle oder Befürchtungen dürfen nicht die Berichterstattung beeinflussen. Ein Arzt kann sich auch nicht aussuchen, welche Patienten er behandelt. Er hat die Verpflichtung, alle Menschen zu behandeln, die krank zu ihm kommen. Und genauso haben wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk die Verpflichtung, verantwortungsvoll mit unserer Berichterstattung umzugehen.

Sie verteidigen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sehr entschieden. Aber hat der ÖRR nicht auch selbst Vertrauen verspielt?

Ich kann nur für den MDR sprechen. Pauschale Vorwürfe wie „zu links“ oder „zu grün“ muss man konkret machen: an einzelnen Sendungen oder Äußerungen. Was ich aber sehe: Wir müssen noch viel transparenter zeigen, wie unser Programm entsteht und wie Nachrichten entstehen. Dank des Rundfunkbeitrags können wir redaktionell frei und unabhängig arbeiten, das müssen wir stärker erklären.

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