Bis heute verkaufte der Sänger mehr als 20 Millionen Tonträger. „Da ich jeden Tag Lieder schreibe, kommt da keine Langeweile auf. Ich werde kein neues Album mehr machen, aber Lieder schreibe ich weiter, Tag für Tag und das ist ein ganz großes Privileg“, so Petry auf die Frage, wie er sich seine Zukunft vorstelle. Das kommende Album „Ein Leben lang“ sei definitiv sein letztes. Was danach kommt: ungewiss.

In einigen seiner Songs – auf der neuen Platte sind Neuauflagen alter Hits, aber auch Erstveröffentlichungen zu finden – ist zu spüren, dass Wolfgang Petry nicht nur auf ein bewegtes Leben im Zeichen der Musik zurückblicken möchte. Auch gesellschaftliche und politische Entwicklungen beschäftigen den Musiker, der seit seiner Debütsingle „Sommer in der Stadt“ im Jahr 1976 im Rampenlicht steht.

So sinniert er in dem Song „Zehn Mark“, sich seine „alte Welt“ zurückzuwünschen. Moderne Sachen seien nichts für ihn. Was Petry damit meint, erklärt er so: „Ich habe keine Kreditkarte, also gehe ich nicht mehr einkaufen. Früher war das einfacher für mich, ich hatte zehn Mark in der Tasche, legte das Geld hin und ging wieder meiner Wege.“

Die nächsten Generationen: Achim Petry mit seinen Söhnen Giorgio und Giuliano im Jahr 2024. (Quelle: IMAGO)

Generell vermisse er bestimmte Werte. „Das sind die kleinen Dinge im Alltag, manchmal etwas mehr Freundlichkeit oder auch ein bisschen mehr Fleiß“, so Petry. Dennoch sei er sich bewusst, dass es in der „Natur des Menschen“ läge, „die Vergangenheit immer besser zu bewerten“.

Auf die Frage, ob das füreinander einstehen, einander zuhören und Verantwortung übernehmen in Deutschland verlernt worden sei, sagt Wolfgang Petry: „Ich glaube ja. Kinder werden im Alltag oft allein gelassen, mit ihren Problemen, mit ihren Computern, mit ihrem Essverhalten und mit ihrer sozialen Einstellung zum Leben.“

„Es wäre vermessen von mir, Menschen zu belehren“

Auch er nehme wahr, dass große Unsicherheit herrsche – wirtschaftlich, gesellschaftlich und mit Blick auf die Weltlage. „Abgesehen von Kriegen, die keiner will, haben die Menschen große Angst vor gesellschaftlichem Abstieg“, sagt Petry. Als Beispiele nennt der Liedermacher „Strom- und Spritpreise, die kaum noch aufzubringen sind“.

Und doch wolle er seine Rolle als Künstler nicht überhöhen. „Ich bin kein Politsänger und kann nur kleine Ratschläge geben“, sagt Petry. Es verlaufe ein schmaler Grat zwischen Haltung und Belehrung. Den richtigen Ton zu treffen, sei herausfordernd. „Es wäre vermessen von mir, Menschen zu belehren“, erklärt er abschließend. „Den Weg des Lebens kann und sollte jeder für sich finden!“

Share.
Leave A Reply

Exit mobile version