Laut Studie
Schlechte Luft kann Marathonläufer langsamer machen
30.09.2026 – 17:14 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine Studie mit mehr als 2,7 Millionen Marathonzeiten zeigt: Ein bestimmter Luftschadstoff geht mit langsameren Laufzeiten einher.
Wie gut ein Marathonlauf gelingt, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa der Vorbereitung, dem Wetter und der Tagesform. Auch die Luft, die Läufer während des Rennens einatmen, könnte eine Rolle spielen. Darauf deutet eine neue Forschungsarbeit der University of Leicester hin. Nachzulesen sind die Ergebnisse im Fachjournal „Sports Medicine – Open“.
NO2 geht mit längeren Laufzeiten einher
Für die Studie untersuchten die Wissenschaftler mehr als 2,7 Millionen Marathonzeiten aus sechs großen World Marathon Majors in Berlin, Boston, Chicago, London, New York City und Tokio. Berücksichtigt wurden Rennen aus den Jahren 2010 bis 2024.
Dabei ergab sich: Je höher die Konzentration von Stickstoffdioxid (NO2) am Renntag war, desto länger brauchten die Läufer bis ins Ziel. Mit jedem Anstieg der NO2-Konzentration um ein Mikrogramm pro Kubikmeter Luft verlängerte sich die Laufzeit bei Männern demnach im Schnitt um 1,43 Minuten, bei Frauen um 1,56 Minuten.
Noch anschaulicher wird der Effekt beim Vergleich unterschiedlich belasteter Tage: Stieg die NO2-Konzentration vom 25. auf das 75. Perzentil – also von 5,2 auf 10,3 Mikrogramm pro Kubikmeter –, war dies rechnerisch mit rund 7,3 Minuten mehr Laufzeit bei Männern und 7,9 Minuten mehr bei Frauen verbunden.
Dabei traten die Leistungseinbußen bereits bei vergleichsweise niedrigen bis moderaten Schadstoffkonzentrationen auf. Der Median der NO2-Belastung lag bei 7,3 Mikrogramm pro Kubikmeter. Die meisten Veranstaltungen wiesen damit nach Einordnung der Forscher eine NO2-Belastung nahe den WHO-Luftqualitätsleitlinien von 2021 oder unterhalb davon auf.
Gut zu wissen
Der Luftschadstoff Stickstoffdioxid entsteht vor allem bei Verbrennungsprozessen und im Straßenverkehr, während Feinstaub aus winzigen, in der Luft schwebenden Partikeln besteht, die aus Fahrzeugemissionen, Industrie, Heizungen und anderen Quellen stammen können. Beide Schadstoffe sind mit negativen Auswirkungen auf die Gesundheit von Herz und Lunge in Verbindung gebracht worden.
Freizeitsportler stärker betroffen
Besonders deutlich war der Zusammenhang bei Freizeitläufern. Bei ihnen fiel der Effekt von NO2 etwa sechsmal stärker aus als bei Eliteläufern. Auch bei den jüngeren Läufern zwischen 18 und 29 Jahren zeigte sich ein stärkerer Zusammenhang als bei älteren Teilnehmern ab 60 Jahren.
Warum das so ist, lässt sich anhand der Studie nicht eindeutig klären. Die Forscher vermuten unter anderem, dass langsamere Läufer länger der verschmutzten Luft ausgesetzt sind. Zudem könnten die körperlichen Anpassungen durch intensives Training bei Profis einen gewissen Schutz bieten.
„Freizeitsportler haben möglicherweise weniger Training hinter sich, sodass die zusätzliche Belastung durch Schadstoffe während eines Marathons ihre Leistung stärker beeinträchtigen könnte“, erklärt Studienleiter James Donaldson.
Hinzu kommt die besondere Atemsituation beim Ausdauersport: Bei intensiver Belastung steigt die Menge der pro Minute eingeatmeten Luft deutlich an. Zudem wird verstärkt durch den Mund geatmet. Dadurch wird die Filterfunktion der Nase teilweise umgangen, sodass mehr Schadstoffe in die unteren Atemwege gelangen können.
